Angesichts der Rekordinflation im Euroraum wird Insidern zufolge in der Europäischen Zentralbank (EZB) über einen größeren Zinsschritt diskutiert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters von mit der Sache vertrauten Personen erfuhr, wird auf der Sitzung am Donnerstag neben einer Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt auch eine mögliche Anhebung um einem halben Punkt zur Sprache kommen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte eigentlich nur einen Schritt nach oben um einen Viertelprozentpunkt in Aussicht gestellt und erst für September eine womöglich kräftigere Anhebung. Die EZB wollte sich auf Anfrage nicht zu den Informationen äußern. Der Euro stieg nach den Signalen für eine womöglich kräftigere Zinserhöhung auf 1,0230 Dollar - der höchste Stand seit fast zwei Wochen.

Nachzüglerin in puncto Zinswende

Unter den führenden Notenbanken ist die EZB in puncto Zinswende eine Nachzüglerin. In den USA hat die Federal Reserve schon viel früher auf den anhaltenden Inflationsschub mit Zinserhöhungen reagiert. Die Fed hob im Juni ihre Leitzinsen sogar um 0,75 Prozent an, was der größte Zinsschritt seit 1994 war. Die EZB hält dagegen ihren Schlüsselsatz noch auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, auf dem er bereits seit März 2016 liegt. Seit 2014 liegt zudem der Einlagensatz im Minusbereich, was für Banken Strafzinsen bedeutet, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Liquidität parken. Seit Herbst 2019 steht der Satz bei minus 0,5 Prozent. (apa)