Das Rettungspaket für den angeschlagenen Gasimporteur Uniper muss Insidern zufolge bald stehen. Bis 25. Juli müsse das Paket geschnürt sein, sonst drohten dem deutschen Konzern noch größere Liquiditätsengpässe, sagten mit dem Vorgang vertraute Personen. Aus den Gespräch sickerten neue Details zu einer möglichen Lösung durch: Uniper solle auch einige seiner gestiegenen Kosten an Kunden weitergeben können, sagten zwei mit den Gesprächen vertraute Personen am Mittwoch.

Deutschlands größter Gasimporteur ist durch ausbleibende Gaslieferungen aus Russland unter Druck geraten. Er muss die gesunkenen Mengen durch teure Zukäufe am Gasmarkt ersetzen und macht dadurch hohe Verluste. Insidern zufolge könnte der Staat nun mit bis zu 30 Prozent bei Uniper einsteigen, um den Konzern zu stützen. Dem "Handelsblatt" zufolge könnte die öffentliche Förderbank KfW ihren Kreditrahmen für Uniper heraufsetzen. Uniper-Aktien legten am Vormittag deutlich zu und notierten mit einem Plus von über 13 Prozent bei 11,83 Euro.

In Österreich werden die Kapazitäten des Gasspeicherverbunds 7Fields in Oberösterreich und Salzburg von Uniper und der österreichischen RAG Energy Storage vermarktet. Uniper hat hierzulande knapp 7 Terawattstunden (TWh) Gas eingelagert.

Uniper-Mehrheitseigner Fortum setzt sich dafür ein, dass die deutsche Tochter ihre Mehrkosten an die Kunden weitergeben soll. Auf diese kämen bei einer direkten Weitergabe deutlich höhere Gaspreise zu. Insidern zufolge könnte das Rettungspaket nun die Möglichkeit für Uniper umfassen, einige Kosten weiterzureichen. Die deutsche Regierung will die Umlage der hohen Preise eigentlich möglichst lange hinausschieben. Die Ampel-Koalition hatte sich aber auch ein Instrument geschaffen, mit einer Umlage die Höhe der Preisweitergabe zu steuern.

Deutsche Regierungskreise warnen vor finnischer Rosinenpickerei

Wie dramatisch sich die Lage bei Uniper entwickelt, hängt aber auch von der Gaspipeline Nord Stream 1 ab. Insider hatten Reuters gesagt, durch diese solle nach ihrer Wartung wieder Gas geleitet werden - wenn auch in vermindertem Umfang. Russlands Präsident Wladimir Putin warnte, die Kapazitäten könnten verringert werden.

Uniper hatte den Staat um Hilfe gebeten. Im Gespräch sei eine Beteiligung des Staates von 15 bis 30 Prozent, um frisches Kapital zuzuführen und zu verhindern, dass Uniper sein Investmentgrade-Rating verliere, hatten Insider gesagt. Dabei dränge die Zeit - bis 25. Juli müsse eine Lösung stehen. Denn zu diesem Zeitpunkt drohten Uniper noch größere Liquiditätsengpässe, hatten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen Reuters gesagt. Auch die finnische Regierung drängt auf eine rasche Übereinkunft. Sie ist mehrheitlich am Versorger Fortum beteiligt, der seinerseits die Mehrheit an Uniper hält.

Fortum-Chef Markus Rauramo hatte vorgeschlagen, die "systemkritischen deutschen Unternehmensteile" Unipers rund um das Gasgeschäft unter die Kontrolle des deutschen Staates zu stellen. In deutschen Regierungskreisen war indes vor einer Rosinenpickerei der Finnen gewarnt worden. Den Insidern zufolge wird dieses Szenario als zu komplex und zu langwierig angesehen. Drei von ihnen sagten, der Regierung wäre eine direkte Beteiligung am ganzen Uniperkonzern lieber. Ein Insider sagte dagegen, der Bund sei für alle Szenarien offen. Die Gespräche dauern an. (reuters)