Gas könnte in diesem Winter rar und Heizen teuer werden. Vor allem dann, wenn Russland seine Erdgaslieferungen stoppt. Wer nicht auf andere Energieträger umsteigen kann, wird wohl Energie sparen müssen. Eine Möglichkeit, den Energiebedarf in Wohnräumen zu senken, ist Wärmedämmung.

Zur Dämmung gegen Kälte und Hitze wird immer häufiger Steinwolle nachgefragt. Sie ist nicht brennbar und schimmelt nicht. Doch es gibt einen Nachteil, denn die Herstellung findet meistens in koksbeheizten Kupol-Öfen statt mit hohem CO2-Ausstoß.

Doch es geht auch anders. Das bulgarische Unternehmen Petrurgia entwickelte ein Verfahren, bei dem Steinwolle CO2-neutral hergestellt werden kann. Das mittlerweile patentierte Verfahren soll nun in einer Anlage in Varbovka, 200 Kilometer östlich von Sofia, zur Anwendung kommen. Die Anlage mit drei Elektro-Schmelzöfen wird vom deutschen Anlagenbauer Grenzebach errichtet und steht kurz vor dem Baubeginn. Ab Ende 2023 soll sie fertig sein und jährlich 112.000 Tonnen Steinwolle erzeugen.

Maßstab für Europa

Als Ausgangsstoff dienen kommunaler und gewerblicher Müll, der in einem Kraftwerk zu elektrischer Energie verarbeitet wird. Die Energie treibt in einem weiteren Schritt einen Ofen an, der hochwertiges Basalt- und Dolomitgestein aus der Umgebung zu Steinwolle umwandelt. Alle Reststoffe, darunter Wolle-Abfälle und Prozesswasser, werden wieder in den Prozess eingegliedert, dem Ausgangsstoff beigemengt und damit recycelt (siehe Grafik).

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"Die Realisierung des Projektes wird Maßstäbe für die Branche in ganz Europa setzen", prophezeit Klaus Franz, Sachverständiger für Energieeffizienz in Gebäudehüllen und ehemals Chef des Gesamtverbandes der deutschen Dämmstoffindustrie. "Denn das Konzept von Müllverbrennung und Dämmstoffherstellung ohne CO2-Emissionen und ohne Abfälle ist in Europa einzigartig." Steinwolle werde aufgrund ihrer bauphysikalischen Eigenschaften ohnehin schon stark als Dämmstoff nachgefragt. Vor allem in Deutschland, wo noch 40 Millionen Quadratmeter Fassaden von Wohngebäuden ungedämmt seien und Energieeffizienz immer wichtiger werde. "Sanierung bestehender Gebäude hat eine bessere energetische Bilanz als der Neubau", sagte zuletzt der deutsche Finanzminister Christian Lindner.

Der Betreiber Petrurgia ist Teil einer Firmen-Gruppe, die in Bulgarien Marktführer im Bereich Abfallmanagement ist, mit einem Marktanteil von 40 Prozent. Bei der Finanzierung des Projekts wird das Unternehmen von Nikolai Leo de Arnoldi, ehemaliger Bankmanager (Hypo Niederösterreich, Steirische Sparkasse, Bawag), und Hubert Jeneral beraten, ehemals Vorstand bei Renault, Fiat, Electricite de France und Energie Steiermark.

Er verweist auf die Vorteile des Standorts in Varbovka. "Direkt neben der Fabrik befindet sich der firmeneigene Steinbruch mit hochwertigem Basalt. Der firmeneigene Dolomit-Steinbruch ist nur 70 Kilometer entfernt", sagt er. Es gebe auch einen direkten Bahnanschluss und die Möglichkeit eines Schifftransports über die Donau, etwa nach Österreich und Deutschland. "Mithilfe des Abfalls können wir zudem zu günstigen Preisen Energie erzeugen und Steinwolle produzieren", sagt er. "Und umweltfreundlich ist es auch noch."


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