Am Donnerstag ist es so weit: Da hat der deutsche Luxusautohersteller Porsche sein Debüt an der Frankfurter Börse. Gleich an den ersten Handelstag sind hohe Erwartungen geknüpft. Denn in der Zeichnungsfrist, die am frühen Mittwochnachmittag endet, gab es geradezu einen Ansturm der Anleger auf die Papiere des Stuttgarter Kultunternehmens. Das Angebot von rund 114 Millionen Porsche-Vorzugsaktien aus dem Fundus des bisherigen Alleineigentümers VW ist durch Kaufaufträge an die Emissionsbanken jedenfalls bereits vielfach überzeichnet. Damit wird der Ausgabepreis für eine Aktie aller Voraussicht nach am oberen Ende der Spanne von 76,50 bis 82,50 Euro fixiert werden.

Kommt das Papier zu 82,50 Euro, wird Porsche als Gesamtunternehmen mit mehr als 75 Milliarden Euro bewertet. Das würde der VW-Tochter einen Platz in den Top fünf der wertvollsten börsennotierten Autohersteller der Welt sichern - unmittelbar hinter der Mutter VW, die an vierter Stelle rangiert, aber vor den Rivalen Mercedes und BMW.

Werden die Porsche-Aktien vor ihrer Börsenpremiere zum maximalen Preis der Spanne veräußert, kassiert der Wolfsburger Autoriese VW brutto 9,4 Milliarden Euro. Porsche wäre damit Deutschlands größter Börsengang seit mehr als 25 Jahren. Die Einnahmen daraus will VW in den Umbau zu einem E-Autokonzern und in seine weitere Digitalisierung investieren.

Banken sondierten Nachfrage

Der Börsengang selbst, den Volkswagen im Frühjahr als Option angekündigt hatte, war zunächst freilich alles andere als gewiss. Sondierungen von Investmentbanken im Sommer ergaben jedoch, dass Anleger für Porsche als Aktientitel großes Interesse hätten und der Markt trotz seiner aktuellen Schwäche "aufnahmefähig" sei. Bei VW zerstreuten sich damit die Befürchtungen einer zu niedrigen Bewertung von Porsche, die die Börsenpläne wegen eines dann zu geringen Verkaufserlöses vereitelt hätte.

Dass der Börsengang der Sportwagen-Tochter gelungen ist, kann sich der VW-Konzern als Erfolg auf seine Fahnen heften. "Das Umfeld für Börsengänge ist derzeit schwierig", erklärt die selbständig arbeitende Wiener Analystin Monika Rosen dazu. "Die Stimmung ist schlecht, steigende Zinsen und die Angst vor einer Rezession setzen die Aktienmärkte unter Druck." Dass es bei Porsche mit dem Sprung aufs Börsenparkett dennoch geklappt hat, hat vor allem mit finanzstarken Großinvestoren zu tun, die VW fix zusagten, 40 Prozent des angebotenen Aktienvolumens zu kaufen. Zu diesen Investoren zählen der Staatsfonds des Emirates Katar, das US-Investmenthaus T. Rowe Price, der norwegische Ölfonds und die Holdingfirma ADQ aus Abu Dhabi. Dass sie aus ölreichen Ländern kommen, könnte Anleger, die bei Porsche in eine grüne Mobilitätszukunft investieren wollen, allerdings abschrecken.

Comeback der Familien

Das Grundkapital der Porsche AG ist je zur Hälfte in stimmrechtslose Vorzugs- und stimmberechtigte Stammaktien aufgeteilt. An der Börse handelbar sind künftig ein Viertel der Vorzüge - 12,5 Prozent. Indes erhält die von den Familien Porsche und Piëch dominierte Holding Porsche SE, die seit 2009 Mehrheitsaktionärin der Volkswagen AG ist, mit 25 Prozent plus einer Aktie der Stämme eine Sperrminorität (siehe Grafik). Die Familien werden so wieder ein direktes Mitspracherecht bei der Porsche AG haben, gegen ihren Willen wird dort nichts laufen.

Kritiker stoßen sich jedoch an der verschachtelten Struktur. Zudem gefällt ihnen nicht, dass Oliver Blume sowohl bei VW als auch bei Porsche als Chef fungiert. Unabhängig davon bezeichnen Branchenkenner Porsche als wachstumsstark und sehr profitabel. Im Vorjahr hat das Traditionsunternehmen bei mehr als 33 Milliarden Euro Umsatz einen Nettogewinn von rund 4 Milliarden eingefahren.