Türkische Reiseanbieter rechnen in den kommenden Monaten mit einem Andrang europäischer Touristen. "Diesen Winter erwarten wir mehr Touristen als in den Vorjahren", sagte Cem Polatoglu, Sprecher des Reiseunternehmerverbandes Tur Operatörleri Platformu, der Deutschen Presse-Agentur. "Während der Pandemie konnten die Menschen lange keinen Urlaub machen". Nun sei es so, als ob "sie sich von Ketten gelöst" hätten.

Auch die hohen Energiekosten in Europa führen demnach zu einer Zunahme von Reservierungen in der Winterzeit - speziell von günstigen Unterkünften. "Es ist positiv für den Tourismussektor, dass europäische Touristen - insbesondere Rentner - aufgrund der gestiegenen Erdgaspreise in den Wintermonaten lange Urlaube in der Türkei bevorzugen", berichtete Ali Onaran, Vorsitzender des Reiseveranstalters Prontotour. "Nach unseren Informationen besteht besonders Nachfrage aus Ländern wie Deutschland, England und den Niederlanden."

Erfreulich sei, dass die Reservierungen in der Winterzeit auch trotz der weltweiten Inflation hochgingen, so Onaran. "Es gibt Entwicklungen wie steigende Treibstoffkosten, Energieausgaben, Lebensmittelkrisen, die sich auf die Ticket- und Hotelpreise und damit auf das gesamte Reisebudget auswirken". Dennoch erfülle der Buchungsstand die Erwartungen der Reiseveranstalter.

Laut Verbandssprecher Polatoglu könne die schwache türkische Lira - ein Auslöser der dramatisch hohen Inflation in der Türkei - auch ein Anreiz für Buchungen sein. Für die Reisenden sei zurzeit ein Monat mit All-inclusive-Urlaub im Fünf-Sterne-Hotel günstiger, als wenn sie die Zeit in Europa verbrächten. "Und das mit viel mehr Komfort als zu Hause."

Erdogan: Zinsen fallen, solange ich im Amt bin

Indes will der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan weiter dafür sorgen, dass die Zinsen kontinuierlich gesenkt werden, solange er an der Macht ist. "Solange Euer Bruder in dieser Position ist, werden die Zinsen mit jedem Tag, jeder Woche, jeden Monat fallen", sagte Erdogan bei einer Veranstaltung in der westlichen Provinz Balikesir.

Trotz der aus dem Ruder laufenden Inflation hatte die türkische Zentralbank zur Überraschung der Finanzmärkte den Leitzins im September bereits das zweite Mal in Folge gesenkt auf nunmehr zwölf Prozent.

Die Inflation war zuletzt auf 83,45 Prozent in die Höhe geschossen. Grund für die Entwicklung sind vor allem die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine, durch den viele Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Aber auch die schwächelnde Lira trägt ihren Beitrag dazu bei. In einer solchen Lage die Zinszügel zu lockern, widerspricht der gängigen ökonomischen Lehrmeinung. Gestützt wird ein solches unorthodoxes Vorgehen indes von Erdogan, der sich selbst als Zinsfeind bezeichnet. (dpa/reuters)