Trotz Konjunkturflaute laufen die Geschäfte des Luxusgüterkonzerns LVMH bestens. Die Einkaufslust von US-Touristen in Europa bescherte den Franzosen im Sommer überraschend starke Geschäfte. Auch wenn die Verbraucherstimmung sich derzeit eintrübt, sind die Aussichten gut: Das Management um Firmenlenker Bernard Arnault zeigte sich zur Vorlage der Zahlen optimistisch, das starke Wachstum fortsetzen zu können. An der Börse wurden die Aussagen mit Kursaufschlägen quittiert.

US-Amerikaner profitieren derzeit von der Stärke des Dollar im Verhältnis zum Euro. Dies macht Einkäufe in der Eurozone für sie billiger. Auf vergleichbarer Basis und bereinigt um Währungskurse sprang der Umsatz im dritten Quartal im Vergleich zum pandemiegeprägten Vorjahreszeitraum um 19 Prozent auf fast 19,8 Mrd. Euro nach oben, wie das Unternehmen mit Marken wie Louis Vuitton, Hublot und Givenchy am Dienstagabend in Paris mitteilte. Damit übertraf LVMH die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten klar. Zudem habe der Konzern von Preiserhöhungen, etwa für seine Koffer der Marke Rimowa, profitiert, kommentierte ein Branchenbeobachter.

Luxusgüter trotzen Wirtschaftslage

Die Branchenexperten der kanadischen Bank RBC reagierten wohlwollend auf die Zahlen. Mit einem Umsatz über den Erwartungen untermauere LVMH seine Führungsposition in der attraktiven Luxusgüterbranche, schrieb Analyst Piral Dadhania. Dass die Nachfrage trotz ungünstiger Wirtschaftslage hoch bleibe, sollte sich positiv auf den gesamten Sektor auswirken, ergänzte er.

Im frühen Handel legte die im EuroStoxx 50 notierte LVMH-Aktie in Paris um rund eineinhalb Prozent zu, womit sie zu den Index-Favoriten gehörte. Während die Geschäfte von LVMH schon seit längerem wieder florieren und sogar das Niveau vor der Pandemie überholt haben, hält die Kursentwicklung nicht mit. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell knapp 300 Mrd. Euro bleibt LVMH gleichwohl das mit Abstand wertvollste Unternehmen im europäischen Leitindex.

Tourismus belebte LVMH-Bilanz

LVMH macht hauptsächlich Geschäfte mit Mode- und Lederprodukten, hat aber auch Weine und Spirituosen mit Marken wie Moet oder Dom Pérignon, Parfüms und Kosmetik sowie Uhren und Schmuck im Portfolio. In der mit Abstand größten Sparte Mode und Lederwaren legte der Erlös im vergangenen Quartal sogar im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro zu. Damit beschleunigte sich auch das Wachstum auch gegenüber dem etwas gedämpfteren zweiten Jahresviertel wieder. Experten hatten hingegen nur mit einer Steigerung um 16 Prozent gerechnet. Auch in den übrigen Sparten verzeichnete der Konzern von Juli bis September prozentual zweistellige Zuwächse.

LVMH profitiert enorm von der Wiederbelebung des internationalen Flugverkehrs im Zuge der Pandemie. Touristen geben auf Reisen gern und viel für höherwertige Produkte aus. Seit Jahresbeginn sind deshalb die Geschäfte der Franzosen in Europa, den USA und Japan deutlich angezogen. Einzig Asien inklusive China hinkte wegen der dort länger anhaltenden Lockdowns beim Wachstum hinterher - im dritten Quartal beschleunigte sich aber auch dort wegen zunehmender Corona-Lockerungen das Geschäft für LVMH. (apa/dpa-afx)