Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat erneut einen Antrag auf Staatshilfe gestellt. Das wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Regierungskreisen bestätigt. Zur Höhe der beantragten Hilfen gab es zunächst keine Angaben. Galeria-Chef Miguel Müllenbach hatte erst kürzlich in einem Mitarbeiterbrief gewarnt, das Unternehmen befinde sich "erneut in bedrohlicher Lage".

Der Krieg in der Ukraine und die hohe Inflation hätten Galeria Karstadt Kaufhof bei seinen zunächst vielversprechenden Sanierungsbemühungen stark zurückgeworfen.

Es ist bereits das dritte Mal innerhalb von knapp zwei Jahren, dass der Warenhauskonzern auf staatliche Hilfen zurückgreifen will. Bereits Anfang 2021 und dann noch einmal Anfang 2022 hatte das Unternehmen wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie um staatliche Unterstützung gebeten. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) griff dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen mit insgesamt 680 Millionen Euro unter die Arme.

Auch Galeria kämpfe mit steigenden Energiekosten

In dem aktuellen Mitarbeiter-Brief beschrieb der Galeria-Chef Müllenbach die Probleme der Warenhauskette. Allein für Energie müsse das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren über 150 Millionen Euro mehr aufwenden als bisher geplant. Außerdem schränkten sich die Menschen in ihrem Konsum auf das Nötigste ein. Das gefährde die Zukunft des Unternehmens.

"Wir werden unseren Weg nur erfolgreich fortsetzen können, wenn es uns gelingt, die Finanzierung von Galeria neu zu strukturieren und dem Unternehmen neues, frisches Kapital zuzuführen. Daran arbeiten wir gegenwärtig mit Hochdruck", schrieb Müllenbach. 

Kündigung des Gewerkschaftsvertrags

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Handelskette den nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof geschlossenen Integrationstarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi einseitig gekündigt, um das Unternehmen "wieder insgesamt nachhaltig zu stabilisieren". Damit sei ein "Einfrieren" der Vergütung auf dem aktuellen Lohnniveau verbunden, hieß es.

Bei der Gewerkschaft Verdi sorgte das Vorgehen des Konzerns für Empörung. Die Verdi-Bundestarifkommission Galeria fordert das Management und den Eigentümer der Warenhauskette, den österreichischen Immobilien-Milliardär René Benko, auf, ihrer Verantwortung durch das Aufzeigen von Lösungen für die aktuelle Situation gerecht zu werden. "Probleme auf die Beschäftigten abzuwälzen, ist keine akzeptable Lösung", betonte die Gewerkschaft.

Das Unternehmen kämpft seit Jahren ums Überleben. Bereits während des ersten Corona-Lockdowns im April 2020 hatte der durch die Fusion der Traditionsunternehmen Karstadt und Kaufhof entstandene Handelsriese Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Dieser harte Schnitt sollte dem Warenhauskonzern eigentlich durch die Schließung von rund 40 Filialen, den Abbau Tausender Stellen und die Streichung von mehr 2 Milliarden Euro Schulden einen Neustart ermöglichen. Doch die Hoffnung, dass der Konzern danach - von vielen Altlasten befreit - erfolgreich durchstarten könnte, erfüllte sich nicht.

Bereits Anfang 2021 und dann noch einmal Anfang 2022 musste der inzwischen auf 131 Warenhäuser zusammengeschrumpfte Handelsriese angesichts der anhaltenden Pandemie und der Lockdowns im Einzelhandel um staatliche Unterstützung bitten. Insgesamt griff der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Traditionsunternehmen in zwei Hilfsaktionen bereits mit 680 Millionen Euro unter die Arme. 

Der Versuch des Konzerns, sich weitere Staatshilfen zu sichern, dürfte für Debatten sorgen. Schon die bisherigen Staatshilfen für den Konzern waren umstritten. Kritiker bezweifelten die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells Warenhaus oder sahen den Galeria-Eigentümer Benko in der Pflicht, dem wankenden Riesen unter die Arme zu greifen.

Doch gab es auch Befürworter der Hilfspakete, etwa den Handelsverband Deutschland (HDE), der seine Unterstützung für das zweite Hilfspaket mit der Bedeutung des Konzerns für die Anziehungskraft vieler Stadtzentren begründete. (apa,dpa)