Die chinesische Wirtschaft hat sich im dritten Quartal trotz Corona-Pandemie, Immobilienkrise und weltweiter Konjunkturabkühlung stärker erholt als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stieg von Juli bis September um 3,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem geringeren Wachstum von 3,4 Prozent gerechnet, nachdem es im Vorquartal nur zu einem Plus von 0,4 Prozent gereicht hatte. Doch besonders die Industrie steigerte ihre Produktion zuletzt überraschend stark.

Auch die Exporte stützten die Konjunktur, während die Inlandsnachfrage schwächelte. Chinas strenge Null-Corona-Politik - die immer wieder mit harten Lockdowns einhergeht - und globale Rezessionsrisiken infolge des russischen Krieges gegen die Ukraine bedeuten allerdings heftigen Gegenwind in den kommenden Monaten.

Diese Sorge wird von Anlegern geteilt: An der wichtigen Börse in Hongkong fielen die Aktienkurse auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren, während die chinesische Landeswährung Yuan auf ein 15-Jahres-Tief abrutschte. "Chinas Wirtschaft ist noch lange nicht über den Berg", schrieben die Commerzbank-Ökonomen Tommy Wu und Bernd Weidensteiner in einer Analyse. "Die wirtschaftliche Dynamik dürfte gering bleiben, solange die Null-Covid-Politik fortgesetzt wird und solange es nicht gelingt, den Immobiliensektor zu stabilisieren." Zudem wollten die USA dem Konkurrenten den Zugang zu fortgeschrittener Technologie wie hochmodernen Mikrochips erschweren.

"Darüber hinaus sind die europäischen und US-amerikanischen Konsumenten zum Sparen verdammt", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, angesichts der Kaufkraftverluste infolge der hohen Inflation. "Steigende Lebenshaltungskosten schränken die Konsummöglichkeiten ein. Der Kauf von Elektronik und Möbeln fällt damit zum Opfer – Güter also die zu einem hohen Maße aus China kommen."

Immobilienpreise sinken

Von Reuters befragte Ökonomen trauen der Volksrepublik in diesem Jahr nur ein Wachstum von 3,2 Prozent zu. Damit würde das offiziell ausgegeben Ziel von rund 5,5 Prozent deutlich verfehlt. Es wäre wirtschaftlich eines der schwächsten Wachstumsjahre seit fast einem halben Jahrhundert. Die Regierung in Peking hatte vergangene Woche überraschend die Bekanntgabe der Daten zum BIP verschoben, die eigentlich schon für den 18. Oktober geplant war. Gründe wurden nicht genannt.

Der am Wochenende für eine dritte Amtszeit als Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas bestätigte Präsident Xi Jinping geht davon aus, dass sein Land auf Wachstumskurs bleibt. "Die chinesische Wirtschaft hat eine große Widerstandsfähigkeit, ein großes Potenzial und einen großen Spielraum", sagte Xi am Sonntag vor Reportern. "Ihre starken Fundamentaldaten werden sich nicht ändern, und sie wird auf lange Sicht auf einem positiven Pfad bleiben."

Ungeachtet des höheren Wirtschaftswachstums stieg die offiziell erfasste Arbeitslosenquote in den Städten im September auf 5,5 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juni. Bei Arbeitssuchenden zwischen 16 und 24 Jahren liegt sie sogar bei 17,9 Prozent. Die Preise für neue Häuser sanken im September bereits zum zweiten Mal in Folge gegenüber dem Vormonat, was die anhaltende Zurückhaltung der Hauskäufer in diesem wirtschaftlich wichtigen Sektor widerspiegelt. Viele verschuldete Bauträger ringen darum, ihre Projekte fristgerecht liefern zu können. (reuters)