Singapur hat Hongkong kürzlich als wichtigstes Finanzzentrum Asiens abgelöst und gehört nun zu den drei bedeutendsten Finanzzentren weltweit, zeigt der Global Financial Centres Index.

Während Chinas Null-Covid-Politik nach wie vor dem chinesischen Handelszentrum Hongkong zusetzt, sei in Singapur bereits eine Art Normalität eingekehrt, sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte David Bachmann im Rahmen eines Pressegesprächs.

Singapur sei glimpflich durch die Pandemie gekommen. Auch der Ukraine-Krieg berühre den Stadtstaat nur am Rande, erzählte Bachmann. Für heuer wird ein Wirtschaftswachstum von drei bis vier Prozent erwartet. Durch die starke Aufwertung des Singapur-Dollars gegenüber dem Euro und US-Dollar soll die Inflation 2022 nur bei rund drei Prozent liegen.

Arbeitskräfte-Schwund

In anderen Bereichen gab es hingegen einschneidende Veränderungen. Während der Pandemie hat Singapur zehn Prozent seiner Arbeitskräfte verloren, so Bachmann. Darunter Expats, die Corona in ihren Herkunftsländern aussitzen oder den strengen Corona-Beschränkungen des Stadtstaats entkommen wollten.  Andererseits Gastarbeiter aus Drittstaaten, die im Niedriglohnsektor angesiedelt waren. Hier seien die Arbeitsbewilligungen schlicht nicht verlängert worden, so Bachmann. Die Menschen, die sonst auf den Baustellen oder in den Touristenküchen, Hotels und Bars von Singapur arbeiteten, seien somit zur Heimkehr gezwungen worden.

In Singapur untertauchen ist dem Wirtschaftsdelegierten zufolge schwierig. Ohne Arbeit und Aufenthaltsgenehmigung zu überleben, sei angesichts der praktisch bargeldlosen und vollständig digitalisierten Gesellschaft nahezu unmöglich. "Bei den niedrigen Steuern und angesichts der hohen Strafen, zahlt es sich für Unternehmen auch nicht aus, Arbeiter illegal zu beschäftigen", erklärte Bachmann. Schwarzarbeit spiele somit eine vernachlässigbare Rolle.

Mit den Lockerungen der Einreise- und Corona-Beschränkungen fehlten in Singapur nun etwa wieder Arbeitskräfte im Tourismus. Geht es nach der Regierung, sollen die Singapurer selbst die freigewordenen Arbeitsplätze besetzen und dafür umgeschult werden, so Bachmann. Durch die restriktive Politik bei der Verlängerung von Arbeitsgenehmigungen von Ausländern, wurde die Arbeitslosigkeit auf das Vor-Corona-Niveau von etwa zwei Prozent gesenkt.

Zuwanderung nur für Hochqualifizierte

Der Stadtstaat will nur noch hochqualifizierte Fachkräfte ins Land lassen. Die Regierung legt die Gehälter für ausländische Fachkräfte faktisch durch die hohen Gehaltsgrenzen bei der Vergabe von Arbeitsvisa selbst fest. Im September beschloss die Regierung, dass nur ausländische Arbeitskräfte, die über ein Monatsgehalt von über 20.000 Euro verfügen, ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren für eine Arbeitserlaubnis durchlaufen dürfen.

Generell suche sich die Regierung genau aus, wer in Singapur Geschäfte machen darf. Erforderliche Gewerbeplätze werden streng vergeben, erzählte der Wirtschaftsdelegierte. Viele Genehmigungen sind auf zehn Jahre begrenzt. Nach Angaben der Wirtschaftskammer haben insgesamt 150 österreichische Unternehmen Niederlassungen in Singapur. Einige österreichische Betriebe verlegten ihren Firmensitz von Hongkong nach Singapur wegen Chinas Festhalten an seiner Null-Covid-Politik. (apa)