Die US-Notenbank Fed lässt im Kampf gegen die Inflation voraussichtlich nicht locker und steht vor dem vierten großen Zinsschritt in Folge. Die Finanzmärkte stellen sich für Mittwoch fest auf eine erneute Erhöhung um 0,75 Prozentpunkten ein. Damit würde die Federal Reserve die Leitzins-Obergrenze dann auf 4,0 Prozent hieven.

Bei einer Inflationsrate von zuletzt 8,2 Prozent stehen die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell gehörig unter Zugzwang. Doch Investoren setzen angesichts von Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung verstärkt darauf, dass die einflussreichste Zentralbank der Welt schon zum Jahresende eine langsamere Gangart anschlagen wird.

Daher dürften Experten insbesondere auf die Äußerungen Powells zum Zinsausblick auf der Pressekonferenz achten. An den Terminmärkten laufen bereits Wetten, dass es im Dezember nur noch um einen weiteren halben Punkt nach oben gehen wird. Auch Spekulationen auf Zinssenkungen in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 nahmen zuletzt wieder zu.

Mit allen Mitteln

"Die US-Notenbank versucht mit allen Mitteln, den Inflationsgeist wieder in die Flasche zu drücken", meint KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib. Die rasante Anhebung des Leitzinses auf die Spanne von zuletzt 3,00 bis 3,25 Prozent mache sich insbesondere im Immobiliensektor bemerkbar, der sich deutlich abgekühlt habe.

Das Geschäft mit neuen Einfamilienhäusern war im September eingebrochen. Für weniger betuchte US-Bürger ist der Kauf eines Eigenheims angesichts stark gestiegener Hypothekenzinsen mancherorts kaum mehr erschwinglich. Für ein Baudarlehen mit 30-jähriger Laufzeit wird im Durchschnitt ein Zins von 7,16 Prozent verlangt - der höchste Wert seit 2001. Seit dem Jahresbeginn haben sich somit die Zins-Kosten für Hypothekennehmer mehr als verdoppelt. Der Grund sind die kräftigen Zinserhöhungen der Notenbank, die steigende Kreditkosten für Verbraucher und Firmen nach sich ziehen.

"Bis die gestiegenen Finanzierungskosten aber vollständig in der Realwirtschaft angekommen sind, wird es voraussichtlich noch bis zum Frühling nächsten Jahres dauern", erläuterte Köhler-Geib. Für die Fed werde dann die Zeit kommen, das Tempo bei den Zinsschritten zu verlangsamen", so die Einschätzung der Ökonomin, die früher für die Weltbank in Washington gearbeitet hat.

US-Wirtschaft verlangsamte sich

Fed-Vizechefin Lael Brainard erklärte jüngst, zwar verlangsame sich die US-Wirtschaft schneller als erwartet. Die volle Wucht der Zinserhöhungen werde jedoch erst nach Monaten klarwerden. Die amerikanische Wirtschaft war im Sommer ungeachtet der hohen Inflation und steigender Zinsen noch gewachsen. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 2,6 Prozent zu. In diesem Tempo dürfte es angesichts der weltweiten Konjunkturflaute und der Folgen der strafferen Zinspolitik aber nicht weitergehen.

Manche Experten rechnen sogar mit einer Rezession in den USA. "Der Zinsschock ist nicht nur für die Immobilienwirtschaft ein großes Problem. Mit etwas größerem zeitlichen Verzug werden die Unternehmensinvestitionen ebenfalls unter Druck kommen", prophezeit Ökonom Andreas Busch von der Bantleon AG. In diesen Abwärtsstrudel werde dann auch der bis zuletzt noch robuste Arbeitsmarkt gezogen, was schließlich den privaten Konsum bremsen werde. Die USA steuern laut dem Ökonomen auf eine Rezession zu, die bis weit ins nächste Jahr andauern dürfte.

Zugleich könnte die Teuerung den Zenit bereits überschritten haben, wie der Chefstratege von Merck Finck, Robert Greil, vermutet: "Da die Inflation in den USA anders als in Europa trotz aller hartnäckigen Komponenten ihren Höhepunkt bereits überwunden haben dürfte, könnte die Fed ihr Wording in Sachen künftiger geldpolitischer Straffung leicht abmildern. Tut sie das nicht, wäre das allerdings eine Enttäuschung für die Märkte." (reuters)