Die Bank of England (BoE) hat vor einer Rezession mit Rekorddauer in Großbritannien gewarnt. Wie die Zentralbank am Donnerstag mitteilte, könnte das Land in eine Phase von acht aufeinanderfolgenden Quartalen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung fallen. Das wäre die längste Rezession seit Beginn belastbarer Aufzeichnungen vor rund 100 Jahren.

Von der Schwere her wäre der Rückgang der Wirtschaftsleistung jedoch weniger drastisch als in der Vergangenheit. Demnach wird mit einem Rückgang von 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gerechnet. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 fiel die britische Wirtschaftsleistung um 6,4 Prozent.

Die Notenbank hatte am Donnerstag den Leitzins von 2,25 Prozent auf 3 Prozent erhöht - das ist der größte Sprung seit 1989. Sie will damit die Inflationsrate unter Kontrolle bringen, die nach Schätzung der Zentralbank bis Ende des Jahres mit etwa 11 Prozent ihren Höhepunkt erreichen wird. Die EZB und die US-Notenbank Federal Reserve haben zuletzt mehrfach dieses außergewöhnliche Maß beim Zinsschritt genutzt, um dem Preisauftrieb Paroli zu bieten.

Die Währungshüter in London reagierten mit der kräftigen Anhebung auf die hohe Teuerung auf der Insel, die zuletzt bei 10,1 Prozent lag. Sie signalisierten, dass weitere Zinsschritte nötig würden.

Im August und auch im September hatte die BoE die Zinsen noch um jeweils 0,50 Prozentpunkte hochgesetzt. An den Finanzmärkten war nun fest mit dem Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten gerechnet worden. Zeitweise war im Zuge der Finanzmarktturbulenzen, die durch die Wirtschaftspläne von Ex-Premierministerin Liz Truss ausgelöst wurden, sogar eine Erhöhung um eine vollen Prozentpunkt erwartet worden. Truss hatte Zweifel an der Tragfähigkeit ihrer Finanzpläne ausgelöst, was zu schweren Verwerfungen an den Finanzmärkten führte. Dadurch sah sich die BoE zu einer Intervention am Anleihemarkt gezwungen. Nach massiver Kritik war Truss nach nur sechs Wochen im Amt zurückgetreten.

Sunak steuert um

Ihr Nachfolger Rishi Sunak steuert nun um: Er signalisierte, dass die öffentlichen Ausgaben gekürzt und möglicherweise höhere Steuern erhoben werden müssen. Details dürften in einem Finanzbericht stehen, der am 17. November veröffentlicht werden soll. Nachdem sich die Turbulenzen an den Finanzmärkten gelegt hatten, war die Notenbank am Dienstag in der Lage, im Zuge ihres geldpolitischen Straffungskurses Anleihen aus eigenen Beständen abzustoßen. (reuters)