Eine Expertengruppe des Internationalen Währungsfonds (IWF) empfiehlt der Türkei im Kampf gegen die hohe Inflation eine Abkehr der von Präsident Recep Tayyip Erdogan favorisierten Geldpolitik. Die Fachleute rieten der Türkei, die Leitzinsen zu erhöhen und die Unabhängigkeit der Zentralbank zu stärken, teilte der IWF am Freitag mit. Solche Maßnahmen sollten dabei helfen, die Inflation dauerhaft zu senken und den Wiederaufbau von Devisenreserven zu ermöglichen.

Die IWF-Experten hatten Istanbul und Ankara im vergangenen Monat besucht. Ein Bericht dazu soll dem IWF-Direktorium im Jänner übergeben werden. Am Anschluss werden offizielle Empfehlungen des Fonds erwartet. Die türkische Zentralbank hatte vor zwei Wochen ihre unorthodoxe Geldpolitik fortgesetzt und den Leitzins erneut gesenkt, obwohl die Inflationsrate im September mit gut 83 Prozent auf den höchsten Stand seit 24 Jahren geklettert war. Er wurde von bisher 12,0 auf 10,5 Prozent zurückgenommen. Die Notenbank signalisierte zugleich eine weitere Senkung.

Die Zentralbank hatte vor gut einem Jahr mit der Lockerung ihrer Geldpolitik begonnen. Damals lag der Zinssatz noch bei 19 Prozent. Ein Grund für die hohe Inflation ist die schwächelnde Lira. Die Landeswährung wertete im vergangenen Jahr mehr als 44 Prozent zum Dollar ab. Dadurch werden in Devisen bezahlte Importe deutlich teurer, was die Inflation anheizt.

Ökonomen empfehlen bei einer hohen Inflation und einer schwächelnden Währung höhere Zinsen, um die Lira wieder attraktiver für Anleger zu machen. Erdogan will jedoch dafür sorgen, dass die Zinsen weiter kontinuierlich gesenkt werden, solange er an der Macht ist. (reuters)