Drei Mal haben die Währungshüter der Eurozone seit Juli die Zinsen angehoben. Doch damit scheint es vorerst nicht getan zu sein, die ausufernde Inflation wieder in die Schranken zu weisen. Denn anders als in den USA, wo der Preisauftrieb auch im Oktober spürbar zurückgegangen ist, steigt die Inflation in Europa immer noch an. Für Österreichs Notenbankchef Robert Holzmann ist daher klar, dass es weiterer Zinsschritte der Europäischen Zentralbank (EZB) bedarf. "Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange", betonte das EZB-Ratsmitglied am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Aktuell liegt der Leitzins, zu dem sich Banken Geld bei der EZB leihen, bei 2 Prozent. Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagenzins, den Institute für das Parken überschüssiger Liquidität von der Zentralbank erhalten, steht mittlerweile bei 1,5 Prozent.

Am 15. Dezember hat der EZB-Rat seine nächste Zinssitzung. Mit dem Hinweis darauf, dass eine weitere Anhebung um 0,5 oder um 0,75 Prozentpunkte in Diskussion sei, sagte Holzmann, dass der tatsächliche Umfang von einer Vielzahl von Wirtschaftsdaten abhängen werde - etwa von der Lohnentwicklung oder davon, inwieweit Unternehmen Preissteigerungen an die Verbraucher weitergeben. "Und daher ist alles möglich."

Gleichzeitig hegt Holzmann jedoch gewisse Hoffnung, dass die inzwischen rückläufige Inflation in den USA mitsamt den derzeit sinkenden Produzentenpreisen in China zeitverzögert auch für Europa den Effekt hat, für nachlassenden Inflationsdruck zu sorgen. Allerdings bezweifelt er, dass die durchschnittliche Teuerung im Euroraum - wie von der EZB prognostiziert - bereits binnen zwei Jahren wieder auf 2 Prozent zurückgeht. Holzmann glaubt, dass es länger dauert.

Die 2 Prozent gelten bei den Euro-Währungshütern bekanntlich als Zielwert, der für sie Preisstabilität repräsentiert. Im Oktober waren sie von dieser Marke weiter denn je entfernt. Mit voraussichtlich 10,7 Prozent lag die Inflation, deren stärkste Treiber Energie und Lebensmittel sind, gut fünf Mal so hoch und damit auf einem neuen Rekordniveau in der Geschichte des Euro.

Immobilienmarkt kühlt sich ab

Wie Holzmann weiter erklärte, sei die EZB gerade dabei, ihre Geldpolitik, mit der sie viele Jahre zur Stützung der Konjunktur - nicht zuletzt auch wegen Corona - einen ultralockeren Kurs gefahren ist, zu "normalisieren". Neben Zinserhöhungen gehe es auch um das Zurückführen billionenschwerer Anleihebestände, die im Zuge eines umfangreichen Kaufprogrammes aufgebaut wurden. Allerdings müsse die EZB dabei sehr vorsichtig vorgehen, so Holzmann. Über das Wann und Wie sei jedenfalls noch keine Entscheidung getroffen worden - "aber wir werden rückführen".

Befragt nach seiner größten Sorge, sagte Österreichs oberster Notenbanker: "Die falsche Entscheidung zu treffen", also bei der Bekämpfung der Inflation "zu viel oder zu wenig aufs Gas zu steigen". Keine Sorgen macht Holzmann dagegen der heimische Immobilienmarkt. Nach den starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre gebe es nun "erste Anzeichen einer Abkühlung". Zwar sei der Markt "noch immer etwas überhitzt - aber kein Vergleich zu früher", so Holzmann. "Wir sehen eine Normalisierung."

Das Regulativ für die Vergabe von Immobilienkrediten, das die Finanzmarktaufsicht vorgegeben hat, hält der Chef der Oesterreichischen Nationalbank für "gut und wichtig", auch wenn es in einzelnen Punkten noch "Druckpunkte" gebe, die man ändern könnte. Die Banken würden ihren Spielraum für eine lockerere Anwendung der Kreditregeln aber ohnehin nicht ausschöpfen - vielleicht, weil ihnen die Kredite "zu heiß" seien. Laut Holzmann sollte die grundsätzliche Regelung für die Kreditvergabe jedenfalls bleiben: "Die Banken hätten da genug Flexibilität."