Die U-Bahnen in Doha sind in drei Klassen unterteilt: In die Standard-Klasse für Arbeiter, die Familien-Klasse für Frauen und die Gold-Klasse für Scheichs mit gepolsterten Schalensitzen, Kopfstützen und breiten Armlehnen. Es sind die teuersten Plätze, aber nicht die begehrtesten. Diese befinden sich auf der anderen Seite der Züge, ganz vorne bei den Arbeitern in der Standard-Klasse.

Wo früher der Fahrer saß, sind nun in den selbstfahrenden U-Bahnen, zwei Sitzplätze angebracht. Die Fahrgäste stehen Schlange, um einen der beiden Sitze zu ergattern. Denn von dort hat man den besten Blick auf die Tunnelröhren, Schienensysteme, Weichenanlagen und Fahrleitungen, den besten Blick auf ein Stück österreichischer Ingenieurskunst. Viele Tunnelbauten, Weichen und U-Bahnen stammen aus der Alpenrepublik.


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109 Millionen Euro betrug im Jahr 2021 die Höhe der österreichischen Warenexporte nach Katar, im Gegenzug wurden Waren in der Höhe von 8,5 Millionen Euro importiert. Während die Exporte während Corona um ein Drittel einbrachen, steigen sie nun wieder. Zu den wichtigsten Exportgütern zählten Zugmaschinen, Kraftfahrzeuge, Traktoren, Motorräder und Fahrräder im Wert von 41,1 Millionen Euro, umgekehrt wurden vor allem mineralische Brennstoffe, Mineralöle und Destillationserzeugnisse im Wert von 2,7 Millionen Euro (siehe Grafik) importiert.

Mehr als 20 heimische Unternehmen sind in Katar tätig. Allen voran der Wiener Baukonzern Porr, seit 2012 mit einer lokalen Niederlassung in Doha. Porr ist an Straßenprojekten, Bahn-, Gleis- und Tunnelbau beteiligt. Darunter der Bau einer der drei U-Bahnlinien, der Green Line von Al Mansoura im Stadtzentrum bis zur oberirdisch liegenden Endstation Al Riffa (siehe Foto) mit klimatisierter Anbindung an den Shoppingtempel Mall of Qatar. Umgerechnet zwei Milliarden betrug das Auftragsvolumen. Auch die Voestalpine ist beim U-Bahnbau involviert, das Linzer Unternehmen liefert Weichen für das Schienennetz.

Tunnelbauten und Weichen für das Schienennetz der Green Line stammen aus Österreich. 
- © Bernd Vasari

Tunnelbauten und Weichen für das Schienennetz der Green Line stammen aus Österreich.

- © Bernd Vasari

Porr baute zudem eines der acht WM-Stadien. Die von der mittlerweile verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid entworfene Arena "Al-Janoub" wurde einer Muschel nachempfunden und bietet Platz für 40.000 Zuschauer. Knapp 600 Millionen Euro betrug das Auftragsvolumen. In Fertigstellung befinden sich zudem eine Pumpstation mit Unterwassertunnel im Stadtteil Mesaimeer sowie Straßen- und Brückenbauprojekte wie die 250 Meter lange Schrägseilbrücke "Gewan Island" auf der Luxusinsel "The Pearl". Weiters baut Porr auch den Tunnel für Dohas neue Kläranlage im Süden.

Eine 35 Millionen teure Strandvilla für den Emir

Porrs Konkurrent Strabag ist ebenso aktiv in dem Wüstenstaat am Rande der arabischen Halbinsel, eine Niederlassung gibt es seit 2003. Heute arbeiten dort 200 Mitarbeiter. Bei den ersten Aufträgen ging es um eine neue Strandvilla für den Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, um 35 Millionen Euro.

Errichtet wurde auch eine Gas-to-Liquids-Anlage, mit der Shell Erdgas in Kohlenwasserstoff umwandelt sowie ein Wohnturm in Doha. Vor kurzem baute der Wiener Konzern das Veterinärmedizinische Zentrum in Al Shaqab und ein Tunnelsystem mit Kanal und Leitungen im Bildungsviertel Education City.


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Viele heimische Unternehmen sind rund um den Flughafen in Doha beschäftigt. Rosenbauer liefert Feuerwehrfahrzeuge, der steirische Aeroficial Intelligence leitet ein Projekt zur Flugdatenauswertung, Doppelmayr baute eine automatisierte Verbindungsbahn und Frequentis steuerte die Flughafensicherung bei.

Bis zu 50 Grad beträgt die Außentemperatur in Katar, es sind unmenschliche Bedingungen für Arbeiten im Freien. Tausende Arbeiter sollen in den vergangenen Jahren umgekommen sein. Unsere Baustellen sind nicht betroffen, sagen Strabag und Porr. Auf Arbeitnehmerschutz und Sicherheit werde ein besonderes Augenmerk gelegt.