Trotz Rekordinflation und Lieferengpässe ist die  Wirtschaft Deutschlands, des wichtigsten Handelspartners für Österreich, im Sommer stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September um 0,4 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. In einer ersten Schätzung von Ende Oktober hatte die Behörde nur ein Wachstum von 0,3 Prozent gemeldet. Die Verbraucherinnen und Verbraucher kurbelten mit ihren Ausgaben das Wirtschaftswachstum spürbar an.

Der private Konsum legte um 1,0 Prozent zum Vorquartal zu. Dennoch sind die Aussichten insgesamt trübe. Im laufenden Schlussquartal 2022 und Anfang des nächsten Jahres erwarten die meisten Fachleute ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt. Der jüngste Anstieg beim Ifo-Geschäftsklimaindex signalisierte jedoch, dass die Rezession milder ausfallen könnte als zunächst wegen der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs angenommen.

Die Wirtschaftskraft fiel im Sommerquartal besser aus als von der deutschen Regierung in ihrer Herbstprojektion erwartet, wie ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte. "Wesentlicher Grund dafür ist der aktuell anhaltende gute private Konsum", sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Statistiken zeigten die starke Widerstandskraft der deutschen Wirtschaft vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine und der Energiekrise. "Viele Lieferverträge für russisches Öl, Gas und Kohle konnten umgestellt werden." Allerdings signalisierten aktuelle Konjunkturdaten weiter eine Rezession im Winterhalbjahr. "Voraussetzung für einen milden Verlauf der Rezession ist, dass keine akute Gasmangellage entsteht, dass keine schwierigen Corona-Entwicklungen eintreten und sich die Lieferketten weiter schrittweise stabilisieren."

Zudem würden sich die geplanten Bremsen für die Gas- und Strompreise positiv auswirken, "da sie die Verbraucherinnen und Verbraucher konkret entlasten bei ihren Abschlagszahlungen für Strom und Gas/Wärme", hieß es.

Konsumentenstimmung bessert sich

Unterdessen hellt sich die Kauflaune der Deutschen kurz vor Beginn der heißen Phase des Weihnachtsgeschäfts erneut auf, verharrt aber nahe ihrem Rekordtief. Das Barometer für die Konsumstimmung im Dezember steigt um 1,7 auf minus 40,2 Punkte, wie die GfK-Marktforscher zu ihrer monatlichen Umfrage unter 2.000 Verbraucherinnen und Verbrauchern mitteilten. Auch nach dem zweiten Zuwachs in Folge bleibt es aber nahe dem im Oktober erreichten historischen Tief von 42,8 Punkten. "Damit scheint der Absturz des Konsumklimas zu einem Ende gekommen zu sein, wenn das Niveau des Indikators auch nach wie vor sehr niedrig bleibt", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

Der Außenhandel bremste die Konjunktur im Sommer, da die Exporte mit 2,0 Prozent langsamer stiegen als die Importe mit 2,4 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - kletterten um 2,7 Prozent, während die Bauausgaben um 1,4 Prozent nachließen und damit bereits das zweite Quartal in Folge sanken. (reuters)