Doha/Berlin. Der Energieriese Qatar Energy hat laut Katars Energieminister Saad Scharida al-Kaabi Abkommen über Gaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Flüssiggas werde an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der Minister am Dienstag bei der Vertragsunterzeichnung in der katarischen Hauptstadt Doha. Die Lieferung soll 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu 2 Millionen Tonnen geliefert werden.

Es handle sich über die ersten langfristigen Abkommen über Lieferungen von Flüssiggas nach Deutschland, sagte Al-Kaabi. Sie trügen zur langfristigen Energiesicherheit des Landes, aber auch Europas bei. "Dies ist eine konkrete Demonstration (...) unseres Engagements für die Deutschen", sagte der Minister. Der Chef von Conoco Phillips, Ryan Lance, ergänzte, das Gas solle in Deutschland bei verschiedenen Käufern vermarktet werden.

Versorgung oder Klimaschutz

Die langfristige Bindung Deutschlands war im ersten Moment nicht vorgesehen. Auf dem Weg zur Klimaneutralität sollte Gas nur eine Überbrückungstechnologie sein. In den vergangenen Monaten tat sich Deutschland sichtlich schwer zwischen Versorgung und Klimaschutz zu entscheiden. Als China in der vergangenen Woche einen Gasvertrag mit Katar über 27 Jahre abschloss, stand Deutschland sogar kurz davor, für Katar gar nicht mehr relevant zu sein. Die Bundesrepublik kam unter Zugzwang. Das Ergebnis ist der langfristige Gasvertrag und die Erkenntnis, das Katar mehr ist als nur ein WM-Gastgeberland.

Qatar Energy sei mit deutschen Unternehmen über weitere Gaslieferungen im Gespräch, erklärt Al-Kaabi. "Wir haben gute Beziehungen zu deutschen Unternehmen und zur deutschen Regierung", sagte er. Das Gas für das jetzt geschlossene Abkommen kommt von den beiden katarischen Gasfeldern North Field East und North Field South, die vor der Küste des Golfstaates liegen.

Deutschland versucht, ausbleibende Gaslieferungen aus Russland unter anderem mit LNG-Lieferungen zu ersetzen, für die an der Nord-und der Ostsee mehrere Terminals gebaut werden.

Der weltweit zweitgrößte Exporteur

Katar ist nach Australien der weltweit zweitgrößte Exporteur von Flüssiggas mit dem Weg zur Nummer eins - die "Wiener Zeitung" hat berichtet. Katar teilt sich mit dem Iran das weltweit größte Gasfeld, das vor der Küste des Landes liegt. Der allergrößte Teil des Exports geht nach Asien, bisher vor allem nach Japan, Südkorea und Indien.

Die ersten deutschen LNG-Terminals stehen kurz vor dem Betriebsbeginn. Zwar sind die Gasspeicher inzwischen fast voll, doch verflüssigtes Erdgas soll einen zusätzlichen Beitrag leisten, der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) spricht von einem "zentralen Baustein für die Sicherung unserer Energieversorgung im kommenden Winter".

Bisher erhalten Deutschland und andere europäische Länder das über die Niederlande, Belgien oder Frankreich aufgenommene LNG vor allem aus den USA. Habeck bemühte sich auf einer Reise im Frühjahr um Lieferbeziehungen mit Katar. (vasa/dpa)