Großbritannien will mit einer Reform der Vorschriften die Attraktivität des Finanzzentrums London nach dem Brexit stärken. Das Finanzministerium stellte am Freitag Pläne zur Überarbeitung von Regularien für Banken und Finanzdienstleister vor. Dazu gehört eine Überprüfung der Vorschriften, mit denen Banker für Entscheidungen zur Rechenschaft gezogen werden sollen, und eine Lockerung der Kapitalanforderungen für kleinere Geldhäuser.

Nach dem Brexit ist die Londoner City inzwischen weitgehend von der EU abgekoppelt. Dies hat die Regierung unter Druck gesetzt, Vorschriften zu lockern, um London in einem intensiver gewordenen Standortwettbewerb zu stärken. So hat Amsterdam inzwischen London als das in Europa führende Zentrum für den Aktienhandel abgelöst.

Der Reformansatz der Regierung schütze die Grundlagen, auf denen der Erfolg des Landes als Zentrum für die Finanzwirtschaft beruhe, erklärte das Finanzministerium. Dies seien Agilität, konsistent hohe Regulierungsstandards und Offenheit.

Überprüfung und Anpassung

Die inzwischen als "Edinburgh-Reformen" titulierten Pläne hatten im Vorfeld Erwartungen an einen großen Deregulierungsschub in der Finanzwirtschaft geweckt. Doch ihr Schwerpunkt liegt nun eher auf einer Überprüfung und Anpassung von Regeln. Diese sollen zudem weiterhin mit internationalen Standards im Einklang bleiben. Ein groß angelegter Vorschriften-Abbau ist vom Tisch.

Zu den Reformen gehört eine Überprüfung der Regeln für Leerverkäufe und eine Überarbeitung der Prospektvorschriften bei Börsengängen. Zudem sollen Regularien aufgehoben oder überarbeitet werden, die das Land während der EU-Mitgliedschaft eingeführt hatte. Auch zwei Regelwerke, die Großbritannien nach der Weltfinanzkrise vor mehr als einem Jahrzehnt beschossen hatte, sollen überprüft werden. Hierbei geht es unter anderem um die Ernennung von Bankmanagern, die für kritische Bankbereiche wie das Risikomanagement verantwortlich sind.

Auch das Regelwerk, das von Banken verlangt, ihre Privatkundengeschäfte mit einem Kapitalpolster abzusichern, um Einlagen zu schützen, soll überarbeitet werden. Auf das Privatkundengeschäft ausgerichtete Institute sollen entlastet werden.

Viele Änderungen dürften kleineren Banken zugutekommen. Damit will die britische Regierung auch den Wettbewerb in dem von Großbanken wie HSBC, Barclays, Lloyds und NatWest dominierten Sektor fördern. Die Regierung will außerdem die aus der EU stammenden Anforderungen an den Aktien- und Anleihehandel überprüfen, die als "MiFID II" bekannt sind.

Erste Reformen bereits fixiert

Großbritannien hat bereits erste Reformen auf den Weg gebracht. So sollen zum Beispiel Regulierungsbehörden bei der Ausarbeitung von Vorschriften künftig zusätzlich die Wettbewerbsfähigkeit der Londoner City mitberücksichtigen. (reuters/red.)