Geldhäuser im Euroraum sollen aus Sicht der EZB-Bankenaufsicht ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber konjunkturellen und geopolitischen Krisen stärken. Das sei einer der drei vorrangigen Schwerpunkte, die die Europäische Zentralbank (EZB) für die Jahre 2023 bis 2025 in der Aufsicht über die Institute verfolgen will, wie sie am Montag in Frankfurt ankündigte.

Ein weiterer Fokus der Bankenwächter liege auf den Herausforderungen der Digitalisierung und der Verbesserung der Unternehmenssteuerung. Im Blick haben die Bankenkontrolleure dabei auch die Abwehr von IT- und Cyberrisiken. Ein dritter Schwerpunkt soll in den kommenden Jahren auf dem Umgang der Banken mit den Risiken aus dem Klimawandel liegen.

Die EZB ist seit Herbst 2014 für die Aufsicht über die großen Banken im Währungsraum zuständig. Aktuell überwacht sie 110 Institute. In Österreich zählen dazu unter anderem die Erste Group Bank AG sowie die Raiffeisen Bank International AG.

Unsicherheiten erhöht

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen hätten die Unsicherheit über die Entwicklung der Wirtschaft und der Finanzmärkte erhöht. Die Risiken für den Finanzsektor seien gestiegen. "Die derzeitige Situation verlangt von den Banken und der Bankenaufsicht extreme Vorsicht", erklärte die EZB. Die Börsen hätten sich nach einem starken Kursrückgang im ersten Halbjahr zwar wieder etwas erholt. Sie blieben aber anfällig für weitere Kurskorrekturen. Die hohe Unsicherheit könne zu verstärkten Marktturbulenzen führen. Dies könne die Bilanzen der Banken belasten oder zu geringeren Erträgen aus börsenbezogenen Geschäften führen.

In den kommenden Monaten wollen die Aufseher unter anderem verstärkt an Institute herantreten, deren Finanzierungsstrukturen anfällig sind oder deren Liquiditätsmanagement Schwachstellen aufweist. Dabei wollen die Kontrolleure auch schauen, welche Strategien die Banken für ihre Finanzierung haben, wenn die sehr lukrativen langfristigen Kreditspritzen der EZB - in der Fachwelt TLTRO genannt - künftig auslaufen werden. Im Blick haben die Aufseher auch die Gefahr von Cyberattacken. Zwar habe es bisher keinen massiven Anstieg der Hackerangriffe auf den europäischen Bankensektor gegeben nach den Sanktionen gegen Russland in Reaktion auf den Ukraine-Krieg. Dennoch müssten die Aufsicht und Banken hierzu extrem wachsam bleiben. (apa)