Digitalisierung, Dekarbonisierung, erneuerbare Energien, für all das werden effizient arbeitende Halbleiter benötigt. Von der Automobilindustrie bis zur Stromnetzsteuerung herrscht daher eine extrem starke Nachfrage nach modernsten Chips.

Ein Standort für diese Kleinstteile der Elektronik ist das Infineon-Werk in Villach, wo die Österreich-Tochter des deutschen Konzerns an der neuesten Chip-Generation auf Basis von Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN) arbeitet. "Wir sind in Villach der einzige Standort im Konzern, der Chips auf Basis neuer Halbleitermaterialien entwickelt und fertigt", betont Thomas Reisinger Vorstand für Operations von Infineon Österreich am Dienstag vor Journalisten in Wien.

Chips und Forschung

9,4 Milliarden Chips wurden im Geschäftsjahr 2022 in Villach produziert, die Fertigung war voll ausgelastet. Infineon ist laut eigenen Angaben bei Automobilelektronik und Leistungshalbleitern Weltmarktführer. Bei Microcontrollern liegt man global auf dem vierten Platz.

Damit das so bleibt, muss der Konzern laufend in Forschung und Entwicklung investieren. Ein Großteil dieses Aufwandes von insgesamt 585 Millionen Euro floß 2022 in die energieeffizienteren neuen Chips. 160 Millionen Euro wurden allein in Villach investiert. Seit 2018 ist eine Erweiterung des Kärntner Standorts geplant, derzeit ist man in Sachen Umsetzung etwa bei der Hälfte, 2025 soll die erweiterte Fabrik in Vollbetrieb gehen.

Rückenwind bekommt die Infineon-Technologies-Austria-Gruppe dabei von einem sehr gut gelaufenen Geschäftsjahr 2022. Der Umsatz konnte um 34 Prozent auf 5,24 Milliarden Euro gesteigert werden. Das Ergebnis vor Steuern betrug rund 663 Millionen Euro, was einem Anstieg gegenüber dem Vorjahr um rund 84 Prozent entspricht. "Das abgelaufene Geschäftsjahr war kein gewöhnliches. Die Pandemie und der Ukraine-Krieg sowie Verwerfungen bei den Lieferketten stellten besondere Herausforderungen dar", erklärt die Vorstandsvorsitzende von Infineon Österreich, Sabine Herlitschka, dazu. Große Projekte wie das Hochfahren der neuen Fabrik würden nun neue Chancen erschließen und dank der innovativen "Energiespar-Chips sei man bestens aufgestellt, ist sie überzeugt.

"Lösungen gegen den Klimawandel und die Digitalisierung gehen Hand in Hand", so Herlitschka. Als aktuelle und künftige Wachstumstreiber bezeichnet sie die Elektrifizierung der Mobilität und das assistierte Fahren, erneuerbare Energien, Rechenzentren und das Internet der Dinge. "60 Prozent des Wachstums der nächsten Jahre wird von diesen Bereichen getrieben werden", meint Herlitschka.

Wettbewerb und "EU Chips Act"

Sie betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit des "EU Chips Act". Dieser ist gerade in der Beschlussphase und soll sicherstellen, dass Europa bei dieser Schlüsseltechnologie am Weltmarkt wettbewerbsfähig bleibt. Derzeit hält die EU am weltweiten Mikrochip-Markt etwa zehn Prozent. Bis 2030 rechnet man jedoch mit einer Verdoppelung der Nachfrage. Die EU will daher 43 Milliarden Euro mobilisieren, um ihre Produktionskapazitäten zu steigern, und fast alle EU-Regionen wollen dabei mitmischen. "Es muss aber sichergestellt werden, dass auch kleine Länder wie Österreich da mitspielen können", so Herlitschka.

Mit 650 neuen Mitarbeitern hat Infineon 2022 jedenfalls bereits seine Belegschaft auf 5.461 Personen aufgestockt. Dem Fachkräftemangel begegnet man mit Ausbildungsinitiativen vom Kindergarten mit naturwissenschaftlichen "Mini-Labs" über Schul- und Universitätspartnerschaften bis zur Ausbildung von Lehrlingen.

Und auch an der Technik von morgen wird bei Infineon bereits gewerkt: Im Quantentestlabor in Villach werden in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck und Joanneum Research ionenbasierte Quantenprozessoren entwickelt, getestet und zur Marktreife geführt.