Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz hat in Wilhelmshaven das erste Flüssigerdgas-Terminal Deutschlands eröffnet. "Ende nächsten Jahres werden wir voraussichtlich über eine Importkapazität von über 30 Milliarden Kubikmeter Gas verfügen", sagte Scholz am Samstag in Wilhelmshaven bei der Einweihung des ersten schwimmenden LNG-Terminals. "Das ist das neue Deutschland-Tempo", fügte er mit Blick auf die schnelle Bauzeit hinzu.

Umweltschützer kündigten rechtliche Schritte wegen der "Einschränkung von Beteiligungs- und Umweltrechten" an. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte seinerseits vor übertriebener Euphorie: Die Gefahr einer Gasmangellage sei auch mit dem neuen Terminal nicht gebannt.

Gaslücke schließen

Mit dieser Röhre ist das Spezialschiff 'Hoegh Esperanza' mit dem Festland verbunden. 
- © afp / Michael Sohn

Mit dieser Röhre ist das Spezialschiff 'Hoegh Esperanza' mit dem Festland verbunden.

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An der Einweihungszeremonie nahmen auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Finanzminister Christian Lindner (FDP) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) teil. Das schwimmende Terminal vor der niedersächsischen Nordseeküste soll dazu beitragen, die durch ausbleibende Lieferungen aus Russland entstandene Lücke bei der Gasversorgung Deutschlands zu schließen.

Kurz vor der Einweihung des ersten schwimmenden LNG-Terminals an der deutschen Nordseeküste haben der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und die norwegische Firma Höegh versichert, dass man sich rasch um den Ausbau der Flüssiggas-Verbindungen kümmern werde. "Unser Ziel ist es, den Ausfall des russischen Gases auch im kommenden Jahr komplett zu kompensieren", sagte Scholz der "Süddeutschen Zeitung".

Man komme auch durch den nächsten Winter. "Davon können wir, so wie in diesem Jahr, ausgehen, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert. Den Bau neuer LNG-Terminals müssen wir auch im nächsten Jahr weiter vorantreiben – und auch weitere Lieferverträge für die Zukunft abschließen", sagte Scholz.

Die deutsche Bundesregierung sei mit den Gas-Importeuren kontinuierlich im Gespräch und werbe auch dafür, längerfristige Verträge abzuschließen. "Als Lehre aus der Vergangenheit müssen wir uns künftig unabhängiger von einzelnen Lieferanten machen", mahnte Scholz. Das Gas werde zu großen Teilen aus Norwegen kommen, aus den USA und vom Golf, ein kleiner Teil aus den Niederlanden.

Die in Spanien beladene "Höegh Esperanza" habe rund 165.000 Kubikmeter LNG an Bord, teilte der Energiekonzern Uniper zuletzt mit. Dies entspricht etwa 96 Millionen Kubikmeter Erdgas und kann zwischen 50.000 und 80.000 Haushalte für ein Jahr versorgen. Die deutsche Bundesregierung hat insgesamt fünf dieser schwimmenden Anlagen gemietet. Jede soll eine Kapazität von mindestens fünf Milliarden Kubikmeter (bcm) pro Jahr haben - jeweils etwas mehr als fünf Prozent des deutschen Jahresverbrauchs.

Die norwegische Höegh LNG verhandelt nach eigenen Angaben mit mehreren europäischen Ländern über die Lieferung von weiteren schwimmenden Flüssiggas-Terminals. Die Diskussionen würden in staatlich geförderten wie auch kommerziellen Projekten geführt, sagte Konzern-Chef Erik Nyheim der Nachrichtenagentur Reuters. Die Namen der Länder nannte er nicht. Sein Konzern habe Europa bereits die Hälfte der Höegh-Flotte von Spezialschiffen - fünf sogenannte Floating Storage and Regasification Units (FSRU) - zugesagt. Sie würden im kommenden Jahr insgesamt zwischen 25 und 35 Milliarden Kubikmeter (bcm) Gas anbieten. (apa/reuters/dpa)