Man kann nicht ausschließen, dass hinter jedem Wort, hinter jedem Tweet von Elon Musk ein ausgeklügelter Plan steckt. Immerhin hat es der Gründer des E-Autoproduzenten Tesla und Neo-Eigentümer des Kurznachrichtendienstes Twitter zu globaler Bekanntheit und enormem Reichtum gebracht. Allerdings: Sicher sein kann man sich auch nicht, dass Musk immer ganz genau weiß, was er tut und sagt.

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Eine Twitter-Umfrage, die der 51-Jährige am Sonntagabend nur acht Wochen, nachdem er den Kurznachrichtendienst übernommen hatte, startete, ist so ein Fall, der Beobachter mit mehr Fragen als Antworten zurücklässt. In dieser Online-Abstimmung fragte er die Nutzer seiner Plattform, ob er als CEO den Hut nehmen oder doch bleiben solle, versehen mit dem persönlichen Hinweis, sich in jedem Fall an das Ergebnis halten zu wollen.

Hält sich Musk an seine eigene Ankündigung?

Nun, mehr als 17,5 Millionen Twitter-User (von insgesamt rund 230 Millionen täglichen Nutzern, wobei Schätzungen von bis zu 20 Prozent Fake-Accounts ausgehen) haben ein recht deutliches Urteil gesprochen: 57,5 Prozent wollen, dass Musk als Twitter-Chef abtritt, 42,5 Prozent sind dafür, dass der so exzentrische wie tatkräftige Unternehmer (neben Tesla und Twitter steht Musk auch den Firmen SpaceX, Boring Company und etlichen weiteren vor) bleibt.

Wie fast immer hatte auch dieser virtuelle Aktionismus unmittelbare Auswirkungen in der echten Welt. Der Aktienkurs des E-Autokonzerns Tesla, der seit dem Twitter-Engagement seines Gründers, CEOs und größten Einzelaktionärs rund 60 Prozent seines Werts eingebüßt hat, stiegen am Montag um 5 Prozent. Unter den Investoren geht die Sorge um, dass Musk von den zahlreichen Problemen bei Twitter - und deren öffentlichen Folgewirkungen - zu sehr von seinen Aufgaben bei Tesla abgelenkt sein könnte. Trotzdem gibt es Beobachter, die es Musk zutrauen, bei Twitter zu reüssieren.

Twitter kommt nicht aus den Schlagzeilen

Ob der eigenwillige und auf Social Media oft verhaltensauffällige Unternehmer tatsächlich die Führung abgeben könnte, beschäftigt nun die Gerüchteküche. Seit Musk das schwer defizitäre Unternehmen um 46,5 Milliarden US-Dollar erworben hat, kommt Twitter nicht aus den Schlagzeilen. Sei es, weil er die Hälfte der Belegschaft feuert, sei es, weil wichtige Inseratenkunden ihre Buchungen stornieren oder die Spielregeln quasi über Nacht geändert werden. Erst jüngst sorgte Musk, der Twitter als Speerspitze für Meinungsfreiheit positionieren möchte, für Empörung, weil er die Accounts mehrerer Journalisten, die kritisch über ihn berichtet hatten, sperren ließ. Tags darauf wurden die Betroffenen wieder freigeschaltet.

Der Kauf von Twitter und der damit einhergehende Absturz des Tesla-Aktienkurses führten dazu, dass Musk seinen Rang als reichster Mensch der Welt einbüßte. Aktuell beläuft sich sein Vermögen auf nur mehr rund 165 Milliarden US-Dollar; vergangenes Jahr war der Buchwert seiner Aktienanteile und sonstigen Vermögenswerte noch um rund 110 Milliarden US-Dollar höher.