Der japanische Markt ist aus vielen Gründen schwierig, dennoch sind österreichische Firmen beliebt im Land der aufgehenden Sonne. "Unsere Firmen tun sich in Japan leichter als manche andere", sagte der Delegierte der Wirtschaftskammer (WKÖ) in Japan, Ingomar Lochschmidt, im Gespräch mit der APA. Grund dafür sei etwa die gleichbleibend hohe Qualität der Produkte, aber auch die lange Tradition vieler österreichischer Unternehmen wecke Vertrauen bei den Japanern.

Der japanische Markt sei aus mehreren Gründen anspruchsvoll und schwierig. "Man muss sich vorstellen, bis vor 160 Jahren, in der gesamten Edo-Zeit, das waren 260 Jahre, war Japan total vom Ausland abgeschottet", sagte Lochschmidt. Damals sei es unter Todesstrafe verboten gewesen, das Land zu verlassen oder einzureisen. Während der Edo-Ära, im 17. Jahrhundert, begann Japan, den Handel mit Europa einzuschränken. In den 1630er-Jahren wurde den im Land agierenden Portugiesen und Spaniern die Einreise verboten, auch Japanerinnen und Japaner durften weder aus- noch einreisen.

Die niederländische Ostindien-Kompanie blieb als einziger europäischer Handelspartner, der Austausch war aber auch hier sehr beschränkt. Mit Ausnahme von China gab es kaum Kontakt zu anderen Staaten. Erst in der Meiji-Zeit, beginnend mit 1868, kam es zur Öffnung des Landes, erzwungen durch die USA.

Japan wurde zur konstitutionellen Monarchie, es erhielt eine Verfassung und ein Parlament. "Japan wurde zu einem modernen Staat, also einem Staat, der sich ausländischem Einfluss gegenüber geöffnet hat", sagte Lochschmidt. Seit 1947 ist der Souverän das Volk, das höchste Staatsorgan ist das Parlament. Heute ist Japan das einzige Land weltweit, dessen Staatsoberhaupt ein Kaiser ist. Der Kaiser beschränkt sich auf zeremonielle Aufgaben.

Ein Grund für die Beliebtheit Österreichs sei, dass heimische Unternehmen Produkte von gleichbleibend hoher Qualität liefern. Das sei den Japanern sehr wichtig. Weiters seien viele österreichische Unternehmen Familienbetriebe oder Firmen mit langer Tradition. "Das ist etwas, was in den USA zum Beispiel vollkommen egal ist", so Lochschmidt.

Pluspunkt Tradition

In Japan lege man hingegen großen Wert darauf. "Da ist jemand dahinter, ein Unternehmer mit Gesicht", das wecke großes Vertrauen bei den Japanern. Wichtig sei es etwa, dass Unternehmen immer wieder die gleichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Japan schicken, auch der Firmenchef "sollte sich immer wieder anschauen lassen". Das würden österreichische Firmen oft eher tun als große internationale Konzerne aus anderen Ländern. Weiters seien auch österreichische Firmen oft absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet. Japan ist weltweit die drittgrößte Volkswirtschaft und der drittwichtigste Überseemarkt für Österreich, nach den USA und China. Rund 1.700 österreichische Firmen exportieren direkt nach Japan, davon sind über 80 Prozent kleine und mittlere Unternehmen (KMU). "Für ein Land, das 12, inzwischen aufgrund des Russland-Krieges 15 Flugstunden entfernt ist, ist das eine ganze Menge."(apa)