Auf ein Mittagessen nach Kroatien? Liebend gerne - und dazu noch unkompliziert in Euro bezahlen. Dieses Szenario lässt die kroatischen Wirte und Gastronominnen frohlocken. Vor allem in Istrien, aber auch im Norden Kroatiens, stellen sich die Touristiker auf mehr Gäste und Tagestouristen ein, die ohne Wartezeit an den Grenzen einkehren werden. Denn ab 1. Jänner 2023 wird Kroatien sowohl Teil des grenzfreien Schengenregimes sein als auch Teil der Eurozone.

"Alles, was den Grenzübertritt erleichtert, ist positiv", sagt Sonja Holocher-Ertl, österreichische Wirtschaftsdelegierte in Zagreb. Sie ist in ständigem Austausch mit österreichischen Unternehmen in Kroatien, die vor allem den Euro-Beitritt des Landes durchwegs positiv bewerten; Selbst die Banken - in Kroatien sind etwa die Erste Bank und die Raiffeisen Bank International vertreten - für die aufgrund der Euro-Umstellung Kosten entstehen.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Die Vorbereitungen auf den Euro laufen in Kroatien bereits seit mehreren Monaten auf Hochtouren. Es wurden nicht nur die eigenen Euro-Münzen geprägt - die kroatischen Euro-Scheine wurden in anderen Euro-Ländern gedruckt -, sondern auch alle Fiskalsysteme sukzessive auf Euro umgestellt, damit am 1. Jänner alles reibungslos funktioniert.

Mitte Dezember wurde in Kroatien ein Großteil der Bankomaten außer Betrieb genommen; Sie werden mit Euro-Banknoten befüllt und sollten zum Jahreswechsel bereits die neuen Scheine ausspucken.

Nationalbankgouverneur Boris Vujčić rief die Bürgerinnen und Bürger am Mittwoch dazu auf, sich vorsichtshalber mit Bargeld einzudecken, um gerüstet zu sein, falls es bei Kartenzahlungen aufgrund der Umstellung zu Problemen kommen sollte. Banken hatten ihre Kunden bereits gewarnt, dass auch Internet- und mobiles Banking bis 2. Jänner erschwert sein könnte.

Entwarnung gab der Nationalbankchef bezüglich der Teuerung aufgrund der Euroumstellung. Die Preise dürfen nur geringfügig steigen, sagte er. Dennoch bereiten die Kostensteigerungen den Kroaten Sorgen. Bereits jetzt stellten Verbraucherschützer fest, dass die Preise in der Gastronomie und von Dienstleistungen aufgerundet wurden. Auch die Gewerkschaften machen sich Sorgen: Immerhin sind die Einkommen in Kroatien etwa ein Drittel von jenen in Westeuropa, die Preise, insbesondere die Lebensmittelpreise seien aber fast gleich, sagte Krešimir Sever, Vorsitzender der unabhängigen Gewerkschaften (NHS).

Die Inflation betrug im November 13,5 Prozent, im Schnitt wird sie 2022 etwa 10 Prozent ausmachen. Im kommenden Jahr rechnet das kroatische Statistikamt mit einer Inflationsrate von 7,5 Prozent.

2023 geringes Wachstum

Die Wachstumsprognosen schwanken krisenbedingt - es wird mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 bis 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gerechnet.

Die positiven Effekte der Euro-Einführung und des Schengen-Beitritts werden aufgrund der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht so leicht zu erkennen sein, sagt die Wirtschaftsdelegierte Holocher-Ertl. Sie rechnet mit einem gewissen Abflachen des Wachstums im Tourismus, der in Kroatien der wichtigste Wirtschaftszweig ist. Auch Alen Kovač, Chefökonom der Erste Bank in Kroatien, erwartet vom Tourismus höchstens einen "neutralen" Beitrag zum BIP-Wachstum, weil geopolitische Faktoren und die Energiekrise negative Risiken bergen.

Stichwort Energie. "Kroatien hat im Energiesektor weniger das Problem der Versorgungssicherheit als das des Preises", sagt Holocher-Ertl. Das Land habe einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien und durch die Beteiligung am Atomkraftwerk im slowenischen Krško auch Kernenergie im Energiemix. Mit dem Flüssiggas-Terminal in Krk habe Kroatien zudem das Potenzial, ein Energiehub in der Region zu werden, wenn die nötige Pipeline-Infrastruktur geschaffen werde.

Dass Kroatien eine Lösung zur europäischen Energiefrage beitragen kann, ist wohl ein Beweis dafür, dass das Land immer mehr Teil der europäischen Familie geworden ist, zusätzlich zum EU-Beitritt 2013 sowie der Einführung der Gemeinschaftswährung und dem Schengen-Beitritt zehn Jahre später. Der Abschied von der Landeswährung Kuna dürfte den Kroaten, die sich in der Vergangenheit ohnehin am Euro, beziehungsweise früher noch an der Deutschen Markt orientiert haben, nicht sonderlich schwerfallen. Der Nostalgie wird auf der 1-Euro-Münze gehuldigt, auf der ein Marder (kuna) abgebildet ist. Außerdem haben die Kuna-Münzen auch noch einen Wert: Sie werden eingeschmolzen. Die Banknoten hingegen werden geschreddert.