Der Goldpreis konnte sich heuer dank Dollar-Schwäche, teilweise rekordhoher Inflationsraten, einer drohenden Energiekrise und des Kriegs in der Ukraine auf einem hohen Niveau halten. Zeitweise lag der Preis für das Edelmetall nur knapp unter dem Rekordhoch, das im Sommer 2020 bei 2.075 Dollar erreicht worden war.

Nach einer Talfahrt in den Monaten Mai bis September konnte die Notierung aber erst seit Anfang November an der Börse in London wieder spürbar zulegen. Sie stieg seither um fast 200 Dollar je Feinunze auf zuletzt 1.800 Dollar. Die Ursache für diesen Anstieg liegt vor allem bei der US-Notenbank, die beim Kampf gegen die hohe Inflation bereits einen Gang zurückgeschaltet hat. Im Dezember hatten die amerikanischen Währungshüter den Leitzins nur noch um 0,50 Prozentpunkte angehoben, nachdem sie zuvor die Zinsen viermal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöht hatten.

Für die weitere Entwicklung wird die Geldpolitik der Fed und damit verbunden die Kursentwicklung des US-Dollar ein entscheidender Faktor sein. Ob 2023 ein Jahr der Edelmetalle wird oder nicht, hängt nach Einschätzung von Experten vor allem davon ab, wie weit die Fed den Leitzins im Kampf gegen die hohe Inflation anheben wird.

Das Zusammenspiel zwischen Inflation und Aktion der Zentralbanken wird "entscheidend sein", heißt es im Jahresausblick des Branchenverbands World Gold Council (WGC). Wenn die Zinsen in den USA nicht mehr steigen und der US-Dollar an Wert verliert, "kann Gold 2023 wieder glänzen", sagte Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der deutschen Commerzbank.

Weitere Zinsschritte erwartet

Mittlerweile gilt es unter Ökonomen als sicher, dass die Inflation in den USA den Höhepunkt überschritten hat. Dennoch wird die amerikanische Notenbank die Zinsen auch 2023 weiter erhöhen, heißt es übereinstimmend von Analysten. Die entscheidende Frage am Goldmarkt ist: Wann wird die Fed die Zinserhöhungen stoppen und ist schon 2023 mit wieder sinkenden Zinsen zu rechnen?

Derzeit wird der Zinsgipfel in den USA bei etwa fünf Prozent erwartet, der im kommenden Frühjahr erreicht werden dürfte. Dann rechnen Ökonomen mit einer Phase, in der die Zinsen stabil bleiben, bis sie vor dem Hintergrund einer schwachen Konjunktur wieder sinken dürften.

"Dies könnte im zweiten Halbjahr des kommenden Jahres der Fall sein, weil dann die Inflation weit genug abgesunken ist und die US-Wirtschaft seit Jahresbeginn in einer Rezession ist", so Fritsch. Sollte dies tatsächlich eintreten, ist seiner Einschätzung nach mit einem leicht steigenden Goldpreis zu rechnen. Fritsch erwartet zum Jahresende 2023 einen Goldpreis von 1.850 Dollar (1.741 Euro) je Feinunze (31,1 Gramm).

Talfahrt

2022 konnte sich der Goldpreis dank teilweise rekordhoher Inflationsraten, einer drohenden Energiekrise und des Kriegs in der Ukraine auf einem hohen Niveau halten. Zeitweise lag der Preis nur knapp unter dem Rekordhoch, das im Sommer 2020 bei 2.075 Dollar erreicht worden war.

Nach einer Talfahrt in den Monaten Mai bis September konnte die Notierung aber erst seit Anfang November an der Börse in London wieder spürbar zulegen. Sie stieg seither um fast 200 Dollar je Feinunze auf zuletzt 1.800 Dollar. Die Ursache für diesen Anstieg liegt vor allem bei der US-Notenbank, die beim Kampf gegen die hohe Inflation bereits einen Gang zurückgeschaltet hat. Im Dezember hatten die amerikanischen Währungshüter den Leitzins nur noch um 0,50 Prozentpunkte angehoben, nachdem sie zuvor die Zinsen viermal in Folge um 0,75 Prozentpunkte erhöht hatten.

Die Hoffnung auf ein etwas weniger aggressive Vorgehen der amerikanischen Notenbank beim Kampf gegen die hohe Inflation belastet den Dollar seit November. Da Gold auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, macht eine Kursschwäche der US-Währung das Edelmetall günstiger, was die Nachfrage antreibt.

"Geopolitisches Unruhepotenzial"

Nach Einschätzung des World Gold Council gibt es neben der US-Geldpolitik weitere Faktoren, die den Goldpreis 2023 stützen dürften. Die WGC-Experten verwiesen auf das "geopolitisches Unruhepotenzial". Außerdem wird eine bessere Konjunktur in China erwartet, was die Nachfrage nach dem Edelmetall ebenfalls stützen dürfte.

Auf der anderen Seite könnten vergleichsweise hohe Renditen auf Staatsanleihen die Nachfrage nach Gold bremsen, hieß es im Jahresausblick des Branchenverbands.

Darüber hinaus dürften Investoren nach Einschätzung des Commerzbank-Experten Fritsch eines nicht außer Acht lassen: Gold hat 2022 weit weniger an Wert verloren als Aktien, Staatsanleihen oder Kryptowährungen. "Anleger konnten also in diesem herausfordernden Jahr mit Gold den Großteil ihres Vermögens sichern", sagte Fritsch. Dies gelte erst recht, wenn man sich die Preisentwicklung von Gold in Euro anschaut.

Gerechnet in der Gemeinschaftswährung hat der Goldpreis im Krisenjahr 2022 sogar ein Rekordhoch erreicht, als im März zeitweise 1902 Euro für die Unze gezahlt wurde. Auf Jahressicht können sich "Goldanleger in Europa über einen Gewinn freuen", sagte Fritsch. (apa, dpa)