Die Inflationsrate in Deutschland ist im Dezember wegen sinkender Energiepreise und der staatlichen Abschlagszahlung für Erdgas deutlich zurückgegangen. In den sechs für die vorläufige Berechnung der deutschlandweiten Teuerungsrate maßgeblichen Ländern stiegen die Verbraucherpreise zwischen 8,1 und 9,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Daten der Statistikämter hervor.

Im November war die deutschlandweite Inflationsrate auf 10,0 Prozent gefallen, nachdem sie im Oktober mit 10,4 Prozent auf den höchsten Stand seit 1951 geklettert war. Das Statistische Bundesamt will am Nachmittag seine erste Schätzung für den vergangenen Monat abgeben. Befragte Ökonomen sagen einen Rückgang der Teuerungsrate auf 9,1 Prozent voraus. In Hessen (8,1 Prozent), Baden-Württemberg (8,5 Prozent), Nordrhein-Westfalen und Sachsen (jeweils 8,7 Prozent) lag sie darunter, in Brandenburg (9,1 Prozent) und Bayern (9,2 Prozent) knapp darüber.

"Das Schlimmste überstanden"

"Das Schlimmste bei der Inflation haben wir wohl überstanden", kommentierte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, die Entwicklung. "Aber so richtig durchatmen können wir noch nicht." So habe sich im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen die sogenannte Kerninflation - bei der die Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet werden - sogar beschleunigt, von 4,6 auf 4,9 Prozent. Das belege, dass mehr Unternehmen außerhalb des Energiesektors ihre hohen Strom-, Heiz-und Spritkosten auf die Verbraucher überwälzen.

"Zum Jahresbeginn könnten höhere Energiekosten die Inflationsrate noch einmal etwas nach oben treiben", sagte Schmieding. "Spätestens ab März dürfte die Inflation dann aber kräftig zurückgehen, da ab dann der kriegsbedingte Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise aus dem Vorjahresvergleich herausfällt." Ende des Jahres könnte die Inflationsrate dann sogar unter die Marke von drei Prozent fallen.

Keine Entwarnung

Die sinkende Inflation habe weniger mit der Energiepreisbremse zu tun als vielmehr mit den deutlich gesunkenen Öl- und Benzinpreisen, sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Die Energiepreisbremse werden wir erst ab März in den Daten sehen." Der Staat hat im Dezember die Abschlagszahlungen für Erdgas übernommen. Für Privatverbraucher von Gas, Strom und Fernwärme gilt ab März zudem ein gesetzlich festgelegter Höchstpreis für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs - dieser Preisdeckel wird rückwirkend für Januar und Februar angerechnet.

Entwarnung gibt auch Brzeski noch nicht. "In den kommenden Monaten könnte die Inflation durchaus auch noch mal steigen", sagte Brzeski. So bekämen viele Verbraucher die gestiegenen Gas- und Strompreise erst ab Jänner präsentiert. Auch Nahrungsmittel könnten teurer werden, da in der Landwirtschaft häufig die Preise im Jänner neu verhandelt würden. (apa)