Die Chinesen reisen wieder nach Europa, nachdem die Regierung in Peking ihre Null-Covid-Politik aufgehoben hat. Chinesische Bürger sorgten im letzten Vorcoronajahr 2019 laut Eurostat-Daten der Eurostat für mehr als 22 Millionen Übernachtungen in der EU-27. Im Jahr 2020 verzeichnete die gesamte EU-27 nur rund 3 Millionen Übernachtungen chinesischer Touristen. 2021 ging die Zahl auf rund 1,6 Millionen zurück. Für 2022 liegen bei Eurostat noch keine Daten vor.

2019 waren in Österreich 1,42 Millionen Übernachtungen auf chinesische Touristen zurückgegangen. Rund eine Million davon, also zwei Drittel, entfielen laut Tourismusstaatssekretärin Susanne Kraus-Winkler (ÖVP) auf die Sommersaison.
Mehr Übernachtungen von chinesischen Touristen verzeichneten nur Italien (5,36 Millionen Übernachtungen), Frankreich (3,47 Millionen Übernachtungen), Spanien (2,94 Millionen)) und Deutschland (2,89 Millionen).

Anfang Dezember 2022 hat die chinesische Regierung nach massivem Druck der Bevölkerung ihre Null-Covid-Politik aufgehoben. Seitdem steigt die Zahl der Corona-Infektionen in China massiv. Vor wenigen Tagen hatte Peking auch das Ende der Quarantänepflicht für Rückkehrer aus dem Ausland angekündigt und damit einen Ansturm auf Flugtickets ausgelöst.
Vor diesem Hintergrund beraten die EU-Staaten am heutigen Mittwoch darüber, wie mit aus China kommenden Reisenden umgegangen werden soll.

Schweden, das am 1. Jänner die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, will sich für eine gemeinsame Strategie mit Blick auf mögliche Einreisebeschränkungen einsetzen. Zahlreiche Länder, darunter die EU-Mitglieder Frankreich, Italien und Spanien sowie Großbritannien, die USA, Israel und Südkorea, Australien und Kanada, haben bereits verpflichtende Corona-Tests für aus China kommende Reisende angeordnet.

Gemischte Gefühle in Österreich

In Österreich stehen Politiker und Touristiker der Sorge um chinesische Reisende, die bald wieder nach Europa strömen könnten, etwas gelassener gegenüber. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) hielt am Montag keine Regelungen für notwendig. Weiters betonte Kraus-Winkler gegenüber der APA, "die Kirche gehört im Dorf gelassen". Bis hierzulande wieder mehr Chinesen eintreffen werden, vergingen noch einige Monate - und in denen auch die aktuelle Omikron-Welle in China, so Kraus-Winkler. Von der EU erwartet sie sich vom heutigen Treffen ein einhelliges Vorgehen. Eine gute Teststrategie mache Sinn.

Ähnlich sieht das der Vorsitzende der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Walter Veit. Das Ende der Reisebeschränkungen in China sei in heimischen Hotels bisher noch nicht spürbar. "Wir rechnen aber damit dass sie wieder kommen werden", sagte Veit im Ö1-Morgenjournal des ORF. Reisen aus China seien oft über Veranstalter organisiert und bräuchten daher mehr Vorlaufzeit.

"Sofern sich die EU auf eine Testpflicht vor dem Abflug einigt, würde Österreich das auch entsprechend umsetzen. Eine Testpflicht erst bei der Einreise halte ich für wenig sinnvoll", teilte Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) Mittwoch hingegen der APA mit. Vertreter der EU-Staaten wollen um 15.00 Uhr über ein einheitliches Vorgehen beraten.

Dass die chinesischen Touristen nach Österreich zurückkehren werden, davon geht man in der Branche jedenfalls fix aus. "Tatsache ist, wir brauchen den chinesischen Gast und wenn sie kommen dürfen, dann sind sie genauso willkommen wie alle anderen," so Veit. (apa)