Russland nahm im Vorjahr 28 Prozent mehr mit Öl und Gas ein als noch 2021. Die Budgeteinnahmen 2022 betrugen laut Ministerpräsident Alexander Nowak 2,5 Billionen Rubel oder umgerechnet knapp 34 Milliarden Euro, meldeten Agenturen.

Nach wie vor fließt russisches Gas nach Europa, doch Russland hat seine Exporte diversifiziert und vor allem jene nach China gesteigert: Der Gazprom-Konzern habe die Gaslieferungen nach China über die sibirische Pipeline "Power of Siberia" auf 15,5 Milliarden Kubikmeter erhöht, so Nowak in einer Kabinettsitzung am Montag. Im Vergleich zu 2021 ist das eine Steigerung um 49 Prozent.

Auch sei die Ölproduktion um zwei Prozent auf 535 Millionen Tonnen hochgefahren worden, während die Ölexporte um sieben Prozent zugelegt hätten. "Infolge von sanktionsbedingten Einschränkungen und Unfällen an den Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 sind die Exporte von Pipeline-Gas zurückgegangen", erklärte Nowak. "Gleichzeitig stiegen die Produktion und der Export von verflüssigtem Erdgas um acht Prozent auf 46 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr", sagte er.

Trotz der gesteigerten Einnahmen war das vergangene Jahr für die Gazprom, vormals größter Erdgasexporteur der Welt und wichtigster Gaslieferant der EU, ein schwieriges, wie Gazprom-Chef Alexej Miller noch im Dezember einräumen musste. Die Gasproduktion ging demnach um 20 Prozent zurück.

Während es für russisches Erdgas keine EU-Sanktionen gibt, gilt seit Dezember ein Embargo von per Schiff in die EU transportiertem russischen Öl. Ein Ölpreisdeckel soll Russland zudem dazu zwingen, Erdöl für höchstens 60 Dollar pro Barrel (159 Liter) zu verkaufen. Auch gibt es Exportverbote, die es Russland unmöglich machen sollen, seine Ölraffinerien zu modernisieren. Seit Russland seinen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 gestartet hatte, reduzierten die EU-Mitgliedsstaaten ihre Gesamtimporte von russischem Erdgas auf unter zehn Prozent.

Gemeinsamer Gaseinkauf

Noch vor dem Sommer will die EU-Kommission mit dem gemeinsamen Gaseinkauf beginnen, kündigte MarošŠefčovič, EU-Kommissar für Interinstitutionelle Beziehungen am Montag in Brüssel an. Somit soll die Einlagerung so rasch wie möglich beginnen, um nächsten Winter Engpässe zu vermeiden.

Nun müssen die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten in Abstimmung mit den jeweiligen heimischen Marktteilnehmern erheben, wie hoch der eigene Bedarf ist. Einige EU-Vertreter rechnen damit, dass manche Energieunternehmen beim gemeinsamen Gaseinkauf nicht mitmachen werden, weil sie ihre eigenen Gasdeals machen und bezweifeln, dass die gemeinschaftliche Beschaffung niedrigere Preise garantieren wird, meldete Reuters. Die EU-Staaten müssen nach Ansicht der Kommission dafür sorgen, dass die heimischen Marktteilnehmer sich an der Beschaffung von zumindest 15 Prozent des heimischen Bedarfs beteiligen, um die Speicher zu 90 Prozent zu füllen.

Der Gasverbrauch in der EU ging aufgrund der selbstverordneten Sparmaßnahmen, aber wohl auch wegen des milden Wetters, im Schnitt um 20 Prozent zurück.

Hoher Gaspreis

Obwohl der Verbrauch und auch der Einkauf zurückgingen, waren die Kosten enorm: Vor dem Krieg gab die EU etwa fünf Milliarden Euro monatlich für Gaseinkäufe aus, geht aus Eurostat-Daten hervor. Im dritten Quartal 2022 waren es bereits 35 Milliarden Euro monatlich. Nur ein geringer Teil davon war aber russisches Erdgas. In den vergangenen Monaten stieg beispielsweise Norwegen zu einem der wichtigsten Versorger der EU auf.

Das spiegelt sich auch in der Handelsbilanz des nordischen Staates wieder: Norwegen kam 2022 auf Gesamtexporte im Wert von rund 2,6 Billionen norwegischer Kronen (243 Milliarden Euro), was einem Plus von 87,2 Prozent zum Vorjahr entsprach und dem hohen Gaspreis geschuldet war. Norwegen löste Russland im vergangenen Jahr beispielsweise als wichtigster Gaslieferant für Deutschland ab. 33 Prozent des 2022 von der Bundesrepublik importierten Gases kamen aus Norwegen, noch 22 Prozent aus Russland. Im Jahr 2021 hatte Russland noch 52 Prozent des Gases geliefert.(mil)