Wurst, Käse, Schinken - das Angebot auf der "Grünen Woche" in Berlin bedient viele Klischees - und soll das offensichtlich auch. Auf der Publikumsmesse für landwirtschaftliche Erzeugnisse, die am Freitag eröffnete, griffen die rund 1.400 Aussteller aus 60 Ländern tief in die Stereotypen-Kiste: Die Holländer bauten ein Tulpenfeld samt Brückchen auf - nebst riesigen Käselaiben -, die Kroaten und Polen schenken Schnaps aus, die Ukrainer schnitten rote Rüben - und die Österreicher, genauso wie die Schweizer, lockten mit Würsteln, Schinkenspeck und Käse samt Blasmusik und einer Trachtendichte, die, augenzwinkernd gesagt, nur jene in der Bayern-Halle übertraf.

Gleichsam läutet die "Grüne Woche" auch das agrarpolitische Jahr ein. Das bestimmende Thema der Messe ist Klimawandel und die grüne Transformation der Landwirtschaft. "Das ist ein Thema, das uns Bauern eigentlich immer schon beschäftigt, nur jetzt durch die Energiekrise ist es eine breite Diskussion geworden", sagt Nikolaus Rettenbacher. Der salzburger Landwirt betreibt eine Hofkäserei mit 30 Milchkühen und 40 Kälbern als Nachzucht. Er hadert mit dem sparsamen Verhalten in der Bevölkerung, die immer billigere Milchprodukte verlangt, aber die Arbeit und die gestiegenen Betriebskosten der Bauern nicht sehen. "Dass sich die Leute in andern Bereichen einschränken, beispielsweise beim Sprit oder beim Urlaub, sehe ich aber nicht. Dabei ist eine gesunde Ernährung enorm wichtig", so Rettenbacher, der auf der "Grünen Woche" seinen Bio-Käse anbietet.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Ebendiese Fragen - der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit - stellt man sich auch in Brüssel, vor allem im Licht der Versorgungssicherheit. "Es gibt kein Lebensmittel, bei dem ich alle drei Haken machen könnte", sagt Wolfgang Burtscher, Generaldirektor Landwirtschaft bei der EU-Kommission, am Rande der Messe.

Käse, vor allem Bergkäse, ist der österreichische Exportschlager nach Deutschland. Die Außenhandelsbilanz von Agrarprodukten war in den ersten drei Quartalen 2022 durchwachsen. Die Exporte von Agrar- und Lebensmittelprodukten stieg in diesem Zeitraum mengenmäßig um 1,1 Prozent, das wertmäßige Plus betrug sogar 16,3 Prozent, beziehungsweise knapp 12 Milliarden Euro, war aber der Teuerung bei Energie, Transport und Rohstoffen geschuldet, so die Agrarmarkt Austria (AMA). Laut Prognose wird das Außenhandelsdefizit 160 Millionen Euro betragen. Der wichtigste Handelspartner ist Deutschland, im Vorjahr wurden die Exporte dorthin um 15 Prozent auf 4,36 Milliarden Euro gesteigert.

Der Besuch der "Grünen Woche" erfolgte auf Einladung der Österreichischen Landwirtschaftskammer.