Österreichs zweitgrößter Baukonzern Porr blickt mit Zuversicht in die Zukunft. "Es schaut aus, als könnte 2023 noch besser werden als 2022", sagte Konzernchef Karl-Heinz Strauss am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Das Unternehmen sitzt auf einem dicken Auftragspolster und hat zuletzt einen Großauftrag in Hannover an Land gezogen.

Gemeinsam mit der deutschen Stump-Franki Spezialtiefbau/Hagedorn saniert und modernisiert Porr einen Abschnitt der historischen Verkehrsachse B3. Ein wichtiger Teil dieser Sanierung ist der Ersatz einer 69 Jahre alten Brücke. Das Projektvolumen beträgt rund 400 Millionen Euro.

Der Porr-Konzern beschäftigt weltweit knapp über 20.000 Mitarbeiter, fast 9.000 davon in Österreich. Das Geschäftsjahr 2022 ist trotz Krisen recht gut gelaufen - mit einem "All Time High" bei den Aufträgen und einem Ergebnis, das - wie auch zum Ende des dritten Quartals prognostiziert - über 100 Millionen Euro lag. In den ersten neun Monaten hatte die Porr einen Orderbestand von 7,8 Milliarden Euro. Der Umsatz war um gut 11 Prozent auf über 4 Milliarden Euro gestiegen, der Periodengewinn um zwei Drittel auf über 43 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wurde eine Produktionsleistung von 6 Milliarden Euro erwartet.

Neuordnung der Logistikströme

"Wir glauben nicht, dass die Lieferketten wieder gefährdet sind", so Strauss. Die Logistikströme müssten neu geordnet werden - ein Prozess, der bereits im Gange sei. Die Porr will ihre Baustoffe verstärkt regional besorgen und hat sich dafür auch bereits eine Mole im Hafen Wien gesichert. "Wir errichten dort ein Betonwerk - wir können Zement und viele Dinge jetzt in Wien per Schiff anlanden", so der Porr-Chef."

Die drastisch gestiegenen Baupreise beunruhigen ihn nicht weiter. "Das normalisiert sich wieder." Der Preis für eine Tonne Stahl sei zwischenzeitig auf 1.900 bis 2.000 Euro pro Tonne geklettert, jetzt sei er wieder bei 1.000 bis 1.100 Euro. Der Holzpreis habe sich verdreifacht und sei jetzt wieder normal. "Der Markt regelt die Dinge." Die Gefahr sei eher, dass 50 Prozent der Inflation auf die Energiepreise zurückzuführen sei. Vor allem der Strompreis sei hoch.

Der Klimawandel und der Green Deal der EU dürften auch in Zukunft für eine gute Auftragslage sorgen, erwartet Strauss. Doch: "Wir haben zu wenig Leute." Es mangle nicht nur an Fachkräften, sondern auch an einfachen Bauarbeitern. Zum Teil bemüht sich der Konzern nun zusätzlich um Mitarbeiter aus Indien, die sie bereits von Baustellen in Katar kennt. Für Aufträge in Deutschland rekrutiert die Porr in Polen. Strauss: "Wir haben rund 1.000 Stellen ausgeschrieben, die wir sofort besetzen könnten." (apa)