Wien. In Entwicklungsländern ist Malaria eine gefürchtete Krankheit, die oft tödlich endet. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlieren jedoch mehr Menschen ihr Leben bei dem Versuch, ihre Hütte zu beleuchten, Wasser oder Essen zu kochen. Fast zwei Millionen Frauen und Kinder sterben jährlich an Verbrennungen, die aus Energiebeschaffungen in schlecht gelüfteten Räumen resultieren.

Rund 2,5 Milliarden Menschen haben gar keinen oder nur sporadischen Zugang zu Strom. Das hindert auch den Zugang zu sauberem Wasser – und verunmöglicht schließlich auch die Entwicklung eines Landes. Die UN-Organisation für industrielle Entwicklung (Unido) hat errechnet, dass, falls man die Armut in der Welt bis 2015 halbieren will (offizielles Milleniumsziel), bis dahin 400 Millionen Menschen überhaupt Zugang zu Elektrizität bekommen müssen. Des weiteren muss einer Milliarde Menschen saubere und sichere Energie zur Verfügung gestellt werden, damit diese nicht mehr täglich beim Kochen ihr Leben riskieren. Laut UNO tun das derzeit 40 Prozent der Weltbevölkerung.

In Afrika werden jedes Jahr vier Milliarden Dollar für Beleuchtung aus Kerosin ausgegeben. Das ist nicht nur unsicher, sondern auch teuer, und angesichts der Prognosen wird sich der Preis für diese Art von Brennstoffen weiter erhöhen. Lösungen aus Solarenergie hingegen werden immer billiger.

Hoffnung für die Armen
"In ländlichen Gebieten ist zunehmend erneuerbare Energie die kostengünstigste Methode, die ärmsten der Länder mit Energie zu versorgen", heißt es von der UN-Organisation im Vorfeld zum "Vienna Energy Forum", das von der Unido, dem österreichischen Außenministerium und dem Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) veranstaltet wird.
Ab heute, Dienstag, treffen sich in Wien hochkarätige Gäste, Staatsoberhäupter, Energieminister sowie Visionäre der Grünen Energie bei der dreitägigen Konferenz. Der nunmehrige Ex-Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, gehört zu den "Keynote-Speakern" in der Wiener Hofburg. Schwarzenegger gilt als glühender Verfechter der erneuerbaren Energie, in seiner Regierungsperiode wurde etwa in der Mojave-Wüste die größte Solaranlage der Welt geplant und beschlossen. Im Herbst waren schließlich alle Genehmigungen erteilt (die "Wiener Zeitung" berichtete), vergangenen Freitag kam es zum offiziellen Spatenstich. Bis 2020 will Kalifornien 33 Prozent seines Energiebedarfs durch erneuerbare Energien decken. Die vier geplanten Anlagen haben eine Leistung von jeweils 242 Megawatt. Schwarzenegger war zuletzt wegen seiner privaten Probleme in den Schlagzeilen – seine Termine in Wien werden auf seinen Wunsch nicht medienöffentlich sein.

Zu den anderen Gästen gehören etwa der Direktor der Internationalen Energie-Agentur, Nobuo Tanaka, sowie die Energieminister von Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten, Südafrika, Brasilien, Mexiko und Spanien (wo die bisher größte Solaranlage steht). Der österreichische Minister für Energiefragen, Reinhold Mitterlehner, wurde zwar vom Außenministerium als Gast angefragt, seine Teilnahme blieb aber offen.

Millenniums-Ziele
"Auf der Konferenz, die die zweite ihrer Art ist, versuchen wir eine Querverbindung zu schaffen, zwischen dem, was technisch möglich ist, sowie dem, was politisch erstrebenswert ist", erklärt Irene Freudenschuss-Reichl, die Leiterin der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium. "Wir versuchen Wege zu finden, um das Ziel der Vereinten Nationen zu verwirklichen – bis 2030 alle Menschen den Zugang zu Energie zu ermöglichen", so Freudenschuss-Reichl. Die UN-Energiegruppe will ebenso die Energieeffizienz global um 40 Prozent bis 2030 steigern, und 30 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs soll durch Erneuerbare gedeckt werden.

Dazu wird es wohl vieler engagierter Projekte bedürfen. 2010 ist etwa das regionale Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Kap Verde eröffnet worden – dadurch sollen 15 Länder in Westafrika aus deren Energiekrise befreit werden. Das Zentrum wird von der Austrian Development Agency, der Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, mit 1,8 Millionen Euro in Kooperation mit der Unido und Spanien gefördert.  (wak)