Ben Bernanke, hier auf einem Archivbild, vermeidet weiterhin jede Drehung an der Zinsschraube - © Apaweb / EPA
Ben Bernanke, hier auf einem Archivbild, vermeidet weiterhin jede Drehung an der Zinsschraube - © Apaweb / EPA

Washington. Noch ist kein richtiger Wirtschaftsaufschwung in Sicht, dennoch unternimmt die US-Notenbank keine weiteren Schritte, um die Konjunktur zu stützen. Die Federal Reserve beschloss auf ihrer Zinssitzung am Mittwoch, ihr 600 Mrd. Dollar schweres Bond-Ankaufprogramm wie geplant Ende des Monats auslaufen zu lassen. Zugleich bleibt der Leitzins mit null bis 0,25 Prozent weiter ultraniedrig.

Daran wird sich auch für "geraume Zeit" nichts ändern, wie die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke signalisierten. Dies gelte zumindest noch für zwei bis drei weitere Zinssitzungen, so Bernanke vor Journalisten. Zu Griechenland warnte der Fed-Chairman, sollte eine Lösung der Schuldenkrise scheitern, "würde das die europäischen Finanzsysteme, die globalen Finanzsysteme und die politische Einheit in Europa bedrohen".

Die Fed erwartet für die USA, dass die wirtschaftliche Erholung "in den kommenden Quartalen" etwas mehr Fahrt aufnehmen wird. "Ich glaube, dass das Wachstum zum Jahresanfang 2012 anziehen wird, jedoch nicht so stark wie im April angenommen", sagte Bernanke im Anschluss an den Zinsbeschluss vor der Presse in Washington. "Der wirtschaftliche Gegenwind könnte stärker und hartnäckiger sein als ursprünglich erwartet." Die Erholung verlaufe "frustrierend langsam".

Auch wenn mit dem Auslaufen des im November gestarteten zweiten Staatsanleihen-Ankaufprogramms der große Strom des billigen Geldes nun versiegt, wagt die Fed doch keinen kalten Entzug für die an die Krisenhilfen der Notenbank gewöhnte Finanzwirtschaft. Die Fed hält nämlich ihre Bilanzsumme vorerst stabil: Das heißt, auslaufende Bonds werden durch den Ankauf neuer Papiere ersetzt. Damit dürften nach Ansicht von Experten immerhin noch zehn bis 20 Milliarden Dollar pro Monat in die Wirtschaft gepumpt werden.

Zugleich hält sich die Notenbank die Option offen, bei Bedarf nachzusteuern sowie "Umfang und Zusammensetzung" des von ihr gehaltenen Wertpapier-Portfolios anzupassen. Bernanke stellte auf der anderen Seite aber auch klar, die Fed sei keinerlei Verpflichtung eingegangen, wie lange sie noch im gegenwärtigen riesigen Umfang Wertpapiere in ihrer Bilanz halten will. Er öffnete damit die Tür für ein Abschmelzen der Bilanz der Notenbank.

Die bisher enttäuschend ausgefallene Konjunkturerholung veranlasste die Fed dazu, ihren Konjunkturausblick nach unten zu korrigieren. Ende April hatte sie für 2011 noch ein Wachstum von 3,1 bis 3,3 Prozent veranschlagt. Jetzt rechnen die Experten der Notenbank nur noch mit einem Plus von 2,7 bis 2,9 Prozent - fast einen halben Prozentpunkt niedriger. Hauptgrund dafür ist der schlechte Start in das laufende Jahr: Die US-Wirtschaft war im ersten Vierteljahr nämlich nur mit einem Tempo von 1,8 Prozent gewachsen.

Für die am Freitag anstehende aktualisierte Schätzung dieser Zahl erwarten Experten nur eine leichte Aufwärtskorrektur. Auch im laufenden zweiten Quartal dürfte lediglich ein Wachstum von - aufs Jahr hochgerechnet - 2,5 Prozent herausspringen.

Dies ist jedoch zu wenig, um für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit zu sorgen. Dieser Weg werde ein "langsamer und schmerzhafter Prozess sein", prophezeite Bernanke. Zuletzt lag die US-Arbeitslosenquote bei ernüchternden 9,1 Prozent. Auch wegen dieser trüben Aussichten am Arbeitsmarkt denkt die Fed vorerst nicht an eine Zinswende und stellt den Banken noch für geraume Zeit Geld praktisch zum Nulltarif bereit.