Athen. (ag/wak) Der Geruch von Tränengas lag in der Luft rund um den Syntagma-Platz. Am Dienstag begann der angekündigte zweitägige Generalstreik in Griechenland. Rund 20.000 Menschen versammelten sich zusätzlich vor dem Parlament - und gesellten sich damit zu der Bewegung "Empörte Bürger", die seit Ende Mai täglich am Syntagma-Platz ihr Protest-Lager aufgeschlagen hat.

Gestern kam es zunächst zu friedlichen Kundgebungen. Dann eskalierte die Situation kurz. Zuerst krachten Anarchisten mit Rechtsextremen zusammen, schließlich fingen unbekannte Vermummte an, Steine auf die Polizisten zu werfen. Die Polizei konterte mit einem weitreichenden Tränengas-Einsatz. Ein Sondereinsatzkommando bildete daraufhin eine Kette um den Syntagma-Platz. Angeblich wurden mindestens drei Polizisten verletzt, mindestens drei Demonstranten wegen des Tränengas-Einsatzes litten unter Atembeschwerden. Bei Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen wurde des Weiteren eine Person durch einen Stich verletzt.

Die Randalierer zündeten außerdem Mistkübel und Sonnenschirme von Cafés an. 5000 Polizisten waren im Einsatz. Sie sollten vor allem das Parlamentsgebäude schützen. Die Demonstranten riefen schließlich die Polizisten auf, den Einsatz von Chemikalien zu beenden und versuchten ihrerseits, die vermummten Störenfriede zu verjagen.

Das Parlament wird in den kommenden Tagen über einen 78-Milliarden-Euro-Sparplan abstimmen. Das gilt als Voraussetzung für ein neues Hilfspaket im Umfang von bis zu 120 Milliarden Euro, das am kommenden Wochenende von den EU-Finanzministern beschlossen werden soll. Sparen bedeutet weitere Leistungskürzungen, Steuererhöhungen und Privatisierungen. Und das in einem Land, in dem jetzt Pensionisten lediglich 300 Euro im Monat bekommen, während die Lebenserhaltungskosten genauso hoch wie in Mitteleuropa sind.

Zum Auftakt der Parlamentsdebatte appellierte Ministerpräsident Giorgos Papandreou an die Volksvertreter, dem Sparprogramm zuzustimmen. Es sei die letzte Chance für Griechenland. Der Ausgang der Abstimmung gilt als nicht sicher. Die Sozialisten haben 155 Sitze im 300-köpfigen Parlament. Zwei Abgeordnete der Sozialisten hatten bereits angekündigt, nicht zustimmen zu können.

Der Generalstreik wurde von den beiden größten Gewerkschaften Adedy und GSEE ausgerufen. Nur die U-Bahn fährt noch, Straßenbahnen oder Busse stehen still. Hafenarbeiter blockieren den Fährbetrieb in Piräus. Mitarbeiter von Ministerien, Staatsunternehmen und vieler Banken streikten ebenfalls. Ärzte behandelten nur Notfälle in den Krankenhäusern. Die Fluglotsen legten zeitweise ihre Arbeit nieder.

Der österreichische Flugverkehr war davon nur gering betroffen. Alle Flüge nach und aus Griechenland finden statt.

Ablehnung der Bevölkerung

Das Sparprogramm hat in der durch Korruption und Freunderlwirtschaft desillusionierten Bevölkerung tiefe Verärgerung ausgelöst. Viele Griechen sind besonders über die harten Bedingungen von EU und IWF verbittert. Der Zorn über das Sparprogramm reicht über die Gewerkschaften und die radikale Linke hinaus. So äußerte auch der Einzelhandelsverband ESEE Ablehnung und rief seine Mitglieder auf, ihre Schaufenster aus Protest mit griechischen Flaggen zu drapieren. Über das Internet rief der Verband Abgeordnete zur Ablehnung des Sparprogramms auf.