• vom 03.08.2009, 19:08 Uhr

International

Update: 03.08.2009, 19:11 Uhr

Die Kürzel FGA, LGT, RCI oder VTB sagen den wenigsten Bankkunden etwas - Österreichs unbekannteste Banken

Geheimtipps oder Zeitbomben?




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Von Peter Muzik

  • Es braucht nicht viel, um eine Bank aufzumachen.
  • Auch christliche Missionare mischen am Markt mit.
  • 45 Sonderbanken mit speziellem Status.
  • Michael Lielacher, allseits als "Mike" bekannt, zeigt sich fest entschlossen, demnächst ein Comeback zu feiern: Der einstige Aktien-Guru der Ersten Österreichischen Spar-Casse will, wie berichtet, unbedingt eine Investmentbank gründen. Diese soll - trotz offiziellem Sitz in Pressburg - in Wien stationiert sein.

Im Zuge der Affären rund um die Meinl-Bank, die Privatbank Constantia und das Bankhaus Medici haben kleinere Institute in der Öffentlichkeit einen großen Misstrauensvorschuss bekommen - das Wasser nähert sich ihrem Hals. Foto: reuters

Im Zuge der Affären rund um die Meinl-Bank, die Privatbank Constantia und das Bankhaus Medici haben kleinere Institute in der Öffentlichkeit einen großen Misstrauensvorschuss bekommen - das Wasser nähert sich ihrem Hals. Foto: reuters

Im Zuge der Affären rund um die Meinl-Bank, die Privatbank Constantia und das Bankhaus Medici haben kleinere Institute in der Öffentlichkeit einen großen Misstrauensvorschuss bekommen - das Wasser nähert sich ihrem Hals. Foto: reuters

Im Zuge der Affären rund um die Meinl-Bank, die Privatbank Constantia und das Bankhaus Medici haben kleinere Institute in der Öffentlichkeit einen großen Misstrauensvorschuss bekommen - das Wasser nähert sich ihrem Hals. Foto: reuters Im Zuge der Affären rund um die Meinl-Bank, die Privatbank Constantia und das Bankhaus Medici haben kleinere Institute in der Öffentlichkeit einen großen Misstrauensvorschuss bekommen - das Wasser nähert sich ihrem Hals. Foto: reuters

Zuletzt hat Lielacher wenig Glück gehabt. Immerhin sind mehrere Unternehmen in seinem Dunstkreis entweder insolvent (sein Callcenter CLC), gescheitert (Blue Bull), von der Bildfläche verschwunden (Webfree TV) oder aus dem Firmenbuch gelöscht ("Bachforelle"-Unternehmensbeteiligungs-GmbH).


Jetzt stehen Lielacher vier Partner, die in ihrer Vergangenheit ebenfalls einige geschäftliche Kratzer abbekommen haben, parat - Christian Tomaschek etwa war Ex-Vorstand der Riegerbank, und Peter Schmid Geschäftsführer der berühmt-berüchtigten Eastbrokers. Für das ambitionierte Quintett geht es nunmehr darum, zwei Millionen Euro Stammkapital zusammenzukratzen, um Österreichs Bankenszene um einen Farbtupfer bereichern zu können.

Im Zuge der jüngsten Affären rund um die Meinl-Bank, den Breakdown der Privatbank Constantia und die Geldschiebereien des Bankhauses Medici haben speziell kleinere, der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannte Institute ein großes Imageproblem bekommen: obwohl etliche bei ihrer jeweiligen Zielgruppe durchaus als Geheimtipp gelten und über jedem Zweifel erhaben sind - wie etwa die erst seit 2006 bestehende Österreich-Tochter der traditionsreichen Privatbank Sal. Oppenheim jr. & Cie. Trotzdem, die Skepsis unter der heimischen Kundschaft ist gewachsen, ob derartige Institute denn tatsächlich astrein seien oder nicht eher tickende Zeitbomben.

Die österreichische Bankenlandschaft ist durch eine riesige Klein-Groß-Kluft getrennt. Die rot-weiß-rote Branche, in der die italienische Bank Austria als Nummer eins, die amerikanische Bawag oder die mehrheitlich deutsche Hypo Alpe Adria ganz vorne mitmischen, präsentiert sich in bunter Aufmachung: Die 867 Hauptanstalten, von denen 17 gänzlich und 10 mehrheitlich in Auslandsbesitz stehen, lassen sich in mehrere Sektoren gliedern: Neben den einstufig organisierten Aktienbanken, Landes-Hypos und Bausparkassen spielen die mehrstufig aufgebauten Blöcke eine große Rolle.

Die von der Erste Bank angeführten Sparkassen, der Riese Raiffeisen mit der RZB als Spitzeninstitut sowie die Volksbanken stellen einen Großteil der insgesamt 4254 Zweigstellen.

Groß lebt neben Winzig

Laut kürzlich veröffentlichter Aufstellung im bibelähnlichen Fachmagazin "The Banker" rangieren nicht weniger als 18 österreichische Banken unter den 1000 größten Kreditinstituten der Welt.

Das Kontrastprogramm an winzigen Bankinstituten, die kaum jemand kennt, weil sie im Verborgenen gedeihen, ist allerdings beachtlich. Zu Österreichs unbekanntesten Kreditinstituten, die nur Kennern ein Begriff sind, gehören beispielsweise in ausländischem Besitz befindliche Unternehmen wie die Adria Bank, die Banco do Brasil oder die türkische Vakif Bank, deren Zinssätze zumeist unschlagbar sind. Auch die 32 Zweigniederlassungen ausländischer Banken - von der belgischen Fortis Bank über die UBS Luxembourg bis zur japanischen Bank of Tokyo-Mitsubishi - bringen es hier zu Lande bloß auf einen bescheidenen Bekanntheitsgrad.

Die meisten ausländischen Mitbewerber, die in Österreich mit einem Büro und ein paar Mitarbeitern präsent sind, sind wahre No-Names, die den wenigsten Bankkunden ein Begriff sind - darunter die bayrische Salzburg-München-Bank, die britische Macquarie Bank, die Svenska Handelsbanken oder die Team Bank, Ableger eines Nürnberger Instituts. Auch den 20 Auslandsbanken, die sich hier zu Lande lediglich eine Repräsentanz leisten, beispielsweise die französische BNP Paribas, die amerikanische Chase Manhattan oder die deutsche Landesbank Baden-Württemberg, geht es um nichts besser: Sie agieren am Markt bestenfalls wie Statisten.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Deutsche Bank-Filiale ist in Österreich derzeit mit rund 150 Mitarbeitern im Firmenkunden-, gehobenen Privatkundengeschäft sowie im Bereich Asset Management tätig. Sie konnte sich seit 1989, als sie das Bankhaus Antoni, Hacker & Co. aufgekauft hat, als eine der renommiertesten Auslandsbanken im Lande etablieren.

Exotische Bank-Blüten

Und wird daher weitaus weniger argwöhnisch betrachtet als so manche Exoten, etwa der Ableger der 1964 von den Steyler Missionaren gegründeten deutschen Missionsbank, die auch in Mödling präsent ist. Die Steyler Bank bietet die gesamte Palette einer modernen Privatbank an, von Sparkonten über Internetbanking bis zu Investmentfonds - mit dem Unterschied, dass ihre Gewinne nicht in den Taschen von Aktionären landen, sondern an die Missionare fließen.

Einige der unbekannten Institute im Miniaturformat beschäftigen in der Tat nur ein paar Mitarbeiter. Andere wiederum bringen es lediglich auf eine bescheidene Bilanzsumme von gerade mal 6,5 Millionen Euro. Und manche weisen, so wie die Linzer Partnerbank, lediglich winzige Bilanzgewinne aus, die eigentlich gar nicht der Rede wert sind. Die No-Name-Banken zählen häufig, so wie die durchaus angesehene Oesterreichische Kontrollbank, zur Kategorie der 45 heimischen Sonderbanken. Bei diesen handelt es sich überwiegend um Kapitalgesellschaften, die spezielle Aufgaben erfüllen. Damit sind etwa die Finanzierung von Exportgeschäften, die Gewährung mittel- und langfristiger Investitionskredite, die Verwaltung von Investmentfonds, die Ausgabe von Kreditkarten etc. gemeint.

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Dokument erstellt am 2009-08-03 19:08:00
Letzte Änderung am 2009-08-03 19:11:00

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