Bank Medici ist angeschlagen, Rieger Bank (Bild von Gläubigerversammlung) und Trigon Bank gingen pleite. Foto: apa
Bank Medici ist angeschlagen, Rieger Bank (Bild von Gläubigerversammlung) und Trigon Bank gingen pleite. Foto: apa

"Mein Schmerz ist unerträglich", lautet das einzige überlieferte Statement der Medici-Hauptaktionärin Sonja Kohn (60). Der New Yorker Broker hat ihr jedenfalls über die Thema Asset Management Ltd., die Madoff-Produkte in Europa vertrieben hatte, jahrelang zu ansehnlichen Provisionen verholfen.

Dass Madoff mit einem Schneeballsystem bis zu 50 Milliarden Dollar versenkt haben soll, trifft viele österreichische Anleger, darunter Finanz-Promis wie Ex-GiroCredit-Boss Hans Haumer oder Ex-Bank-Austria-General Gerhard Randa.

Sieben Geldinstitute wurden insolvent

Die Affäre Medici ist indes kein Einzelfall, sondern ein relativ kleines Kapitel in einer langen Skandal-Story: Viele rot-weiß-rote Geldinstitute standen nämlich in den vergangenen Jahrzehnten am Rande der Zahlungsunfähigkeit, ohne dass die Öffentlichkeit davon viel bemerkt hätte.

Einige sind allerdings spektakulär pleite gegangen, was nicht einmal die branchenübliche Solidarität zu verhindern wusste.

Der erste Bankencrash der Nachkriegszeit ist mit dem Namen Peter Krauland verbunden: Der Steirer, der nach 1945 VP-Abgeordneter und Bundesminister für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung war, hatte 1958 nach dem Rückzug aus der Politik das Bankhaus Nicolai erworben. Dieses wurde in Allgemeine Wirtschaftsbank umgetauft, die 1974 in den Konkurs schlitterte - das Verfahren wurde erst fünf Jahre später abgeschlossen.

Seither gingen noch sechs weitere Institute unter. 1998 kam es zum spektakulären Zusammenbruch der Rieger Bank AG, die im Grunde seit 1982 bloß eine bessere Wechselstube war. Ihr Inhaber Wolfgang Rieger hatte jahrelang die Bilanzen gefälscht und gab in Interviews zu Protokoll: "Ich habe das primitivst ausgelackt, eine Null dazugegeben bei den Aktiva, ein paar Nullen abgezogen bei den Passiva." Und niemandem ist das je aufgefallen, auch Hannes Androsch nicht, der damals im Aufsichtsrat gesessen ist.

Die seinerzeit für die Kontrolle zuständige Bankenaufsicht hat offenbar nicht nur dieses eine Mal versagt. So war es für viele unverständlich, dass plumpe Fälschungen jahrelang nicht aufgefallen sind, dass fingierte Saldenbestätigungen und gesetzwidrige Unterschriften akzeptiert wurden.

Auch wenn der damalige Finanzminister Rudolf Edlinger die Rieger-Pleite im Nachhinein als "reinen Kriminalfall" bezeichnete, ist es evident, dass die eingesetzten Staats- und Regierungskommissäre nie etwas mitbekamen. Obendrein waren die Aufsichtsräte der Institute ebenso chancenlos, den Niedergang rechtzeitig zu verhindern wie die Wirtschaftsprüfer - alle hatten offenbar nicht die erforderliche Kompetenz oder das nötige Fachwissen.

Zahlreiche Anleger kamen zum Handkuss: Seit 1995 wurde zwar die Einlagensicherung der Banken und Bankiers GesmbH, die 97 Gesellschaftern gehört, in den vier Fällen BHI, Rieger, Diskont und Trigon aktiv. Die 140 Millionen Euro, die sie springen ließ, machten den Schaden aber nur teilweise gut. Die 534 Gläubiger der Rieger-Bank, die laut OGH-Urteil aus 2007 vom Staat entschädigt werden müssen, warten noch immer auf das Ende des Konkursverfahrens.

Viele Banken mussten gerettet werden

Im Laufe der Jahre sind landauf landab etliche Banken in die Bredouille geraten, ohne insolvent zu werden: In den Achtzigerjahren machte die Raiffeisenlandesbank Burgenland wegen Kreditausfällen von fast 15 Millionen Euro im Zuge der Pleite der Wohnbaugenossenschaft Ost (WBO) einen angeschlagenen Eindruck.

Der Grüne Riese hatte mehrere Pannen zu verkraften: Im Dezember 1994 wurde bekannt, dass die Raiffeisenbank Pötsching infolge eines Großkredits für ein dubioses Immobilienprojekt ihr Eigenkapital aufgebraucht hatte und zeitweise alle Konten sperren müsse. Kaum zwei Jahre danach ratterte die Raika Gols wegen eben dieses Projekts ebenfalls in eine Krise und wurde vom Finanzministerium unter Aufsicht gestellt. Die Malversationen eines Vorstandsdirektors bescherten der Raiffeisen-Bezirksbank Wolfsberg im Jahr 2000 einen Schaden von 32 Millionen Euro - das marode Institut wurde, nachdem es aus dem Raiffeisen-Verband ausgeschlossen worden war, von der Grazer Wechselseitigen Versicherung aufgefangen.

Auch in anderen Banksektoren ging es turbulent zu: Die zum Volksbanken-Sektor gehörende Agudah-Bank, eine weithin unbekannte Mini-Kreditgenossenschaft, wurde 1994 unter Geschäftsaufsicht gestellt. Eine Steuernachforderung der Republik, die doppelt so hoch wie ihre Eigenmittel war, bedeutete fast das Aus. Die Volksbank Niederösterreich-Mitte erlebte 1998, nachdem sie die FP Niederösterreich finanziert hatte und in die Affäre um den Ex-FP-Mandatar Peter Rosenstingl verstrickt wurde, schwere Zeiten. Trotzdem zählt es zu den Stehsätzen von Volksbank-Verbandschef Hans Hofinger, dass "in der Geschichte der Volksbanken noch nie ein Sparer zu Schaden gekommen ist. Eventuelle Schadensfälle werden von der Gemeinschaft der Volksbanken aus den Mitteln unseres Gemeinschaftsfonds getragen."

Auch der Sparkassenverband betont dank der sektoreigenen Einlagensicherung seit Jahren, dass "in Österreich noch nie ein Sparkassen-Kunde seine Einlage verloren hat". Nachsatz: In ihrer 190-jährigen Geschichte sei auch noch nie eine Sparkasse in Konkurs gegangen. Freilich: Der Breakdown der Bautreuhand WEB/Immag-Gruppe 1989, bei dem ein Schaden von mehr als 70 Millionen Euro entstand, hätte die Salzburger Sparkasse locker in den Ruin treiben können. Sie schlitterte tief in die roten Zahlen, musste ein jahrelanges gerichtliches Nachspiel verkraften, wurde jedoch 1995 rechtzeitig von der Erste Bank übernommen.