"Der Washington Consensus liegt jetzt hinter uns", sagte Strauss-Kahn vor Studenten in der US-Hauptstadt Washington und bezog sich damit auf seit den 1980ern vielerorts getroffene wirtschaftpolitische Maßnahmen, die auf freie Märkte und einen sinkenden Einfluss des Staates abzielten.

Lange galt der IWF selbst als Verfechter freier Marktstrukturen. Nun aber habe die Welt die Lehren aus der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 gezogen. "Beim Gestalten des makroökonomischen Rahmens einer neuen Welt wird das Pendel umschwingen - zumindest ein bisschen - vom Markt hin zum Staat", sagte Strauss-Kahn.

Kampf der Ungleichheit

Doch eine Lehre aus der Krise müsse laut Strauss-Kahn auch der Kampf gegen die wachsende Ungleichheit sein. "Ungleichheit könnte eine der unerkannten Ursachen der Krise gewesen sein, am Vorabend der Krise hatte die Ungleichheit in den USA wieder das Niveau erreicht, dass sie vor der Großen Depression hatte", erinnert der IWF-Chef. Die Globalisierung habe "eine dunkle Seite, eine große und weiter anwachsende Kluft zwischen Arm und Reich". Strauss-Kahn leitet daraus die Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung ab, die auch für eine größere Stabilität der Weltwirtschaft sorgen würde.

Denn während sie auf den Handelsmärkten mit einer abnehmenden Ungleichheit verbunden sei, sorge die Globalisierung der Finanzmärkte dafür, dass diese Kluft weiter zunehme. Ein nachhaltiges Wachstum gehe jedoch mit einer gerechte Einkommensverteilung einher. "Wir brauchen eine Steuer auf Finanzaktivitäten, um die Branche dazu zu bringen, einige der sozialen Kosten zu übernehmen, die ihre riskanten Geschäfte verursachen", erklärte der IWF-Chef. (apa/red)