Hintergrund war die zunehmende Verlagerung der Conti-Reifenherstellung an billigere Produktionsstandorte, vornehmlich in Osteuropa. Die Traiskirchner Produktionsmaschinen waren schon ab Anfang des Jahres sukzessive nach Tschechien und in die Slowakei abtransportiert worden, in Traiskirchen blieb schließlich nur eine Fertigung für Gummimischungen mit rund 300 Mitarbeitern und der Vertrieb mit 50 Mitarbeitern - denn die seit 1902 bestens eingeführte Marke Semperit (lateinisch "er geht immer") wurde weitergeführt, Winterreifen und Lkw-Reifen unter diesem Logo sind in zahlreichen europäischen Ländern immer noch Marktführer ihrer Sparten.

Im Dezember 2001 hatte der damals neue Conti-Konzernchef Manfred Wennemer in Hannover das endgültige Aus für Traiskirchen verkündet - beinahe zeitgleich mit Schließungsbeschlüssen für einen schwedischen und einen mexikanischen Konzernstandort. Es folgten monatelange Verhandlungen über eine Übernahme durch österreichische Investoren, die aber alle fehlschlugen.

Semperit-Traiskirchen musste spätestens seit 1996, als zum ersten Mal die Schließung des traditionsreichen Standortes drohte, in der österreichischen Öffentlichkeit immer wieder als Beispiel herhalten - entweder für die negativen Folgen eines Abverkaufs von österreichischen Betrieben an das Ausland oder für die Auswirkungen der Ostöffnung auf westeuropäische Industriearbeitsplätze. Nach Kosteneinsparungen von rund einer halben Milliarde Schilling konnte das Werk damals - dank der guten Autokonjunktur - noch einmal Fuß fassen und sogar Rekordgewinne schreiben.

Conti begann aber systematisch seine Fertigungskapazitäten an den billigeren Standorten in Tschechien, der Slowakei und Rumänien auszubauen, gleichzeitig ließ man die Traiskirchner Forschungs- und Entwicklungsabteilung gänzlich schließen. Damit - sind alle Beobachter einig - war das Aus für die (bis zuletzt rentabel arbeitende) Fabrik nur mehr eine Frage der Zeit.