• vom 21.03.2011, 17:30 Uhr

International


Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber versucht seine Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen

Austro-Scheich mit vielen Baustellen




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Peter Muzik

  • Anglo Irish Bank setzt dem Saudi-Milliardär zu.
  • Offene Rechnungen - nicht nur bei Kneissl.
  • Probleme auch bei seiner JJW-Hotel-Kette.
  • Das US-Magazin "Forbes" schätzt ihn auf 7 Milliarden Dollar, eine halbe weniger als im Krisenjahr 2009. Mohamed Bin Issa Al Jaber, saudischer Scheich mit österreichischem Pass, liegt damit in der zuletzt veröffentlichten Weltrangliste der Superreichen auf Platz 136. Der "kleine rundliche Herr mit freundlichem Lächeln" - so sieht ihn die "Frankfurter Allgemeine" - wäre damit nur ein bisschen ärmer als Silvio Berlusconi und ein wenig reicher als SAP-Gründer Hasso Plattner.

Sind Rechnungen zu bezahlen, drängt er sich nicht gerade vor: Multi-Milliardär Al Jaber. Foto: apa/Fohringer

Sind Rechnungen zu bezahlen, drängt er sich nicht gerade vor: Multi-Milliardär Al Jaber. Foto: apa/Fohringer Sind Rechnungen zu bezahlen, drängt er sich nicht gerade vor: Multi-Milliardär Al Jaber. Foto: apa/Fohringer

Der Mann, dem unter anderem ein internationales Hotelimperium gehört, ist jedoch in mancher Hinsicht schwer einzuschätzen: Drei Monate, bevor das "Forbes"-Ranking erschien, hat ihm das "Arabian Business Magazine" noch 12 Milliarden Dollar zugetraut - immerhin 2,3 Milliarden mehr als im Jahr zuvor. So gesehen wäre Al Jaber nach dem Prinzen Alwaleed Bin Talal der zweitreichste arabische Business-Mann.


Eine starke Affinität zum Widersprüchlichen ist dem "kleinen Araber mit Hang zum Bombastischen"(Copyright: "Kurier") wahrlich nicht abzusprechen: Das beginnt etwa bei den unterschiedlichen Angaben, wie viele Hotels der Scheich denn nun tatsächlich betreibt - je nach Quelle werden 43, 60 oder 75 genannt. Und endet bei beträchtlichen Zweifeln, ob er letztlich wirklich so gut situiert ist, wie es den Anschein hat. Das mag primär - und ausgerechnet - mit der selbst angeschlagenen Anglo Irish Bank zu tun haben, die ihm erhebliche Probleme zu bereiten scheint.

Der arabische Hotelmagnat, der seine Liebe zu Wien, Mozart und Tafelspitz entdeckt hat, sorgt in seiner Wahlheimat Österreich seit Monaten eindrucksvoll für einen Aha-Effekt: Er führt vor, dass selbst ein mehrfacher Dollar-Milliardär nicht unbedingt wahllos mit Geld um sich werfen, sondern finanziell ganz schön flach sein kann. Derzeit hat er viel Pech, diverse Pannen und nicht zuletzt die Pleite seiner Skifirma Kneissl zu verkraften.

Dabei hatte im Jahr 2002 alles so glanzvoll begonnen: Al Jaber erwarb von der japanischen Fluglinie All Nippon Airways das Wiener Grand Hotel und sperrte sodann vis à vis das Hotel The Ring auf. Weiters kaufte er der Generali das Palais Corso, einen Teil der Ringstraßen-Galerien, ab und kündigte schließlich an, das Hotel Schwarzenberg in eine Super-Luxus-Bleibe umgestalten zu wollen.

Glanz ging allmählich verloren

Damals galt er als reicher Onkel aus dem Morgenland, für den Geld keine Rolle spielt. Er legte sich einen Wohnsitz zu, erhielt einen österreichischen Pass und begeisterte die Wiener Machtzirkel: Mit Kammerpräsidentin Brigitte Jank rief er beispielsweise die Modul University am Kahlenberg ins Leben. Und nachdem ihm Bürgermeister Michael Häupl im Februar 2009 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land umgehängt hatte, bedankte sich der Austro-Scheich umgehend mit der Gründung des gemeinnützigen "Michael Häupl Förderungsfonds", der bedürftigen Studenten eine Tourismusausbildung ermöglichen sollte.

Dass Al Jabers Versuch, mit 150 Millionen Euro bei der AUA einzusteigen, fehlschlug, wurde vielfach noch als Kismet betrachtet. Niemand hätte damals vermutet, dass der Flop für den Scheich letztlich ein Glücksfall war: Denn lange war nicht bekannt, dass ihn Liquiditätsprobleme plagten und - wie das Magazin "Format" erst im Oktober 2010 berichtete - die Hotel-Liegenschaften und das Palais Corso längst an die deutsche Eurohypo verpfändet waren, die alle Deals finanziert hatte.

Sein Glanz verblasste langsam, aber sicher, weil auch aus anderen hochtrabenden Plänen nichts wurde: Er hatte im März 2007 angekündigt, das der Fürsten-Familie Schwarzenberg gehörende Palais groß umzubauen. Die Baubewilligung lag Mitte 2009 vor, doch bisher ist so gut wie nichts passiert. Die Investition - rund 100 Millionen Euro - wurde, wohl auch wegen der Wirtschaftsflaute, auf die lange Bank geschoben, was vor allem bei der Volksbank-Tochter Immoconsult Leasing für heftiges Nervenflattern sorgt. Die hat die Immobilie nämlich für 60 Jahre gepachtet und mit Al Jaber einen Betreibervertrag ausgehandelt. Dem Vernehmen nach setzen die zuständigen Banker ihn ganz schön unter Druck. "Er will es offenbar auf die Spitze treiben", meint ein Wiener Al-Jaber-Kenner, "damit er Zeit gewinnt."

Karim F. Jalloul, Al Jabers Statthalter in Wien, zeigt sich von Ultimaten aller Art wenig beeindruckt: Er kündigt vielmehr seit Wochen unermüdlich an, dass demnächst mit dem Umbau begonnen und das Projekt in 24 Monaten fertiggestellt sein werde. Eine andere Causa, die dem Saudi-Milliardär hierzulande ein mieses Image sichert, ist der im Februar angemeldete Konkurs der Skifirma Kneissl. Er hatte sich 2008 - nach Scheitern des AUA-Deals - in den Kopf gesetzt, diese zu retten. Der 26-Mann-Betrieb verlor zuletzt operativ fast 4 Millionen, doch abgesehen von 150.000 Euro blieb die nötige Geldspritze aus - und die Skifirma taumelte in die Pleite.

Die Chance, dass Al Jaber mit kräftigen Zuschüssen einspringt, dürfte minimal sein - denn selbst bei relativ geringen Beträgen bleibt er gern säumig: Er lässt beispielsweise die der Wirtschaftskammer Wien gehörende Privatuni Modul, bei der er 10-Prozent-Gesellschafter ist, schon monatelang auf 375.000 Euro warten. Kammerpräsidentin Jank räumte ihm vor kurzem eine letzte Nachfrist bis Sommer ein. Dem FC Wacker Innsbruck wiederum schuldet Kneissl immer noch 165.000 Euro an Sponsorgeldern, Obmann Kaspar Plattner hat bereits im Oktober Klage eingereicht. Der FK Austria Wien kann indes nicht klagen: Laut Vizepräsident Rudi Reisner hat Al Jaber entgegen anders lautenden Gerüchten "alle Zusagen eingehalten". Das Grand Hotel ist Co-Sponsor der Austria und bei allen Heimspielen in der Generali-Arena für das Catering.

weiterlesen auf Seite 2 von 2



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-03-21 17:30:12
Letzte Änderung am 2011-03-21 17:30:00

Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Streikdrohung bei Bahn und Brauereien
  2. Murren im Reisejubel
  3. Und der Rest ist die Notenbank
  4. Warum die Einkommen stagnieren
  5. Banken profitierten von guter Konjunktur
Meistkommentiert
  1. Warum die Einkommen stagnieren
  2. "Wir haben keinen Planeten B"
  3. Welches Lohnplus gerechtfertigt ist
  4. Österreichs Spitzenmanager verdienen zu viel
  5. "Wir sind in der Realität angekommen"

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung