Die Marktchancen seien für Mitbewerber "nicht sonderlich attraktiv und einladend", räumte RTR-Chef Georg Serentschy ein. Der Postbereich sei insgesamt kein Wachstumsmarkt. Der Paketversand ist wegen boomender Online-Versender noch attraktiver; Briefe hingegen werden durch die Konkurrenz von E-Mail, SMS und Social Media rar.

Mehrkosten zwei Euro

Dazu kommt eine wenig konkurrenzfreundliche Gesetzeslage mit langen Übergangsfristen - etwa für die Umstellung der Hausbrieffachanlagen, wo der Post eine Frist bis Ende 2012 eingeräumt wurde.

"Wir hätten uns ein größeres Instrumentarium im Sinne der Wettbewerbsregulierung gewünscht. Der Gesetzgeber hat aber Augenmerk auf die Sicherstellung des Universaldienstes gelegt", sagt Serentschy. Damit ist gemeint, dass die Post Briefe bis in hinterste Täler befördern muss - was entsprechend teuer ist.

Post-Chef Georg Pölzl rechtfertigte so die Anhebung des Briefgebühren (siehe Grafik): In Wien koste die Zustellung nur die Hälfte der 62 Cent Standardgebühr, in Gebirgstälern aber das dreifache.

Es sei überdies die erste Portoanhebung seit 2003. Die Arbeitskosten der Post seien um mehr als 25 Prozent gestiegen, der Standardbrief werde nur um 13 Prozent teurer. Die jährlichen Mehrausgaben eines Durchschnittshaushaltes für Briefporto erhöhten sich ab 1. Mai von 18 auf 20 Euro. Nicht nur teurer, auch einfacher sollen die Gebühren sein: Statt 14 Tarifen gibt es künftig nur noch 5. Das (hochpreisige) Briefgeschäft nimmt mengenmäßig laut Pölzl um drei bis fünf Prozent ab. Adressierte Werbung legt zu, weist aber geringe Margen auf.

Die Post-Regulierungsbehörde prüfte und erhob keinen Einwand: Die neuen Tarife seien erschwinglich, weil die Erhöhung niedriger sei als die generelle Teuerung seit 2003. Auch Kostenorientierung, Transparenz und Nichtdiskriminiierung seien gewährleistet.

Für Geschäftskunden

Der Wettbewerb nimmt dennoch keine Fahrt auf. Das heißt aber nicht, dass es so bleibt, sagt Bernd Maurer, Analyst bei Raiffeisen Centrobank: "Es wird Zeit brauchen. Ich denke in ein paar Jahren gibt es Mitbewerber, die in das Geschäft mit attraktiven Großkunden einsteigen. Dazu braucht es Kunden, die regelmäßig große Sendungen ausschicken, etwa Banken, Telekomfirmen oder Versorger." An flächendeckenden Wettbewerb mit der Post glaubt er nicht: Alternative Anbieter würden sich wohl auf Wien, Linz, Graz, Salzburg konzentrieren.

Bisher haben mögliche Mitbewerber allerdings abgewinkt: Ein logischer Post-Konkurrent wäre die zur Mediengruppe Styria gehörende Logistikfirma Redmail. Sie hat allerdings Anfang 2010 die Reißleine gezogen und sich weitgehend aus den Briefgeschäft verabschiedet.

Die niederländische Post TNT hatte sich schon davor aus dem Joint-Venture mit Redmail zurückgezogen, um sich auf die Kernmärkte Niederlande, Deutschland, Großbritannien und Italien zu konzentrieren. "Die Liberalisierung ist generell gescheitert", sagte ein Sprecher zur "Wiener Zeitung". Ein Grund sei die stockende Umrüstung der Hausbrieffächer. Die Deutsche Post will sich bezüglich eines Markteintritts "nicht an Spekulationen beteiligen".

Die österreichische Post verspricht unterdessen, ihr Service zu verbessern und denkt über Selbstabholboxen für Wohnhausanlagen nach. Dort könnten Pakete hinterlegt werden, die der Empfänger mit einem Code (auf dem Gelben Zettel) auslösen kann. Die Serviceoffensive umfasst auch eher Simples: Eine einzige Warteschlange soll helfen, das Anstellen in Post-Filialen zu verkürzen: Der Erste in der Reihe geht zum nächsten freien Schalter.

Neu ist für Geschäftskunden ein günstigerer "Economy-Tarif", wenn größere Briefmengen erst nach zwei bis drei Tagen zugestellt sein müssen. Sonst bleibt die Zustellung am nächsten Werktag aufrecht - das schreibt der Universaldienst vor. Angedacht ist, Kunden vor Paketzustellung via SMS zu informieren. Offen bleibt die lange diskutierte Abendzustellung: Es müsse erst Gespräche der Sozialpartner geben, so Pölzl.