Der Außenminister des Iran, Ali Akbar Salehi, kommt nach Wien.Foto:epa - © EPA
Der Außenminister des Iran, Ali Akbar Salehi, kommt nach Wien.Foto:epa - © EPA

Paris/Teheran. Es ist kurz nach 18 Uhr. Der Bazar von Teheran ist zwar gut besucht, die Kaufkraft der Kunden lässt die Händler jedoch verzweifeln. "Früher konnten wir mit gewissen Einnahmen kalkulieren und wussten, dass die Kosten abgedeckt sind und am Ende des Monats auch genug übrig bleibt. Heute müssen wir schauen, wie wir über die Runden kommen. Es wird viel geschaut, aber wenig gekauft", seufzt der Händler Majid Davoodi.

Ein kurzer Blick auf die von Inflation und Stagnation geprägte iranische Wirtschaft zeigt, wie schlecht es um sie steht. Die Geldmenge im Umlauf ist um mehr als 300 Prozent gestiegen. Die Weltbank hat den Persern für 2010 ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent berechnet und für 2011 null Prozent Wachstum vorausgesagt. Die Inflation wird von der iranischen Zentralbank für das vergangene Jahr 1389 (März 2010 bis März 2011) mit offiziell 13 Prozent angegeben. Die Dunkelziffer ist weit höher. Parallel dazu ist aber die Arbeitslosigkeit im gleichen Zeitraum auf 15 Prozent gestiegen. Zudem sind in den letzten sechs Jahren 750.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft verloren gegangen.

Eine weitere Achillesferse der iranischen Wirtschaft sind die internationalen Sanktionen rund um den Atomstreit wegen der umstrittenen Urananreicherung des Iran. Der Iran hat als Wirtschaftsstandort in den letzten Jahren stetig an Attraktivität verloren. Die Sanktionierung aller iranischen Großbanken führt beispielsweise dazu, dass der Iran viele seiner Geschäfte in bar abwickeln muss, was die Transaktionskosten in die Höhe schnellen lässt und Geschäfte mit den Persern erschwert. Indien schuldet dem Iran für importiertes Erdöl seit dem letzten Monat zwei Milliarden Dollar, nachdem die Europäisch-Iranische Handelsbank als Ventil für den Zahlungsablauf auf die Sanktionsliste kam. Die Inder bekommen aber weiterhin Öl aus dem Iran, was möglicherweise mit Tauschgeschäften abgewickelt wird.

Spindelegger empfängt Salehi in Wien

Im Erdölsektor können dringend notwendige Investitionen mangels Partner nicht durchgeführt werden. Dem erfolgreichen Druck aus den USA ist es zu verdanken, dass ausländische Investoren davor zurückschrecken, mit Teheran Geschäfte zu machen. Ohne diese Investitionen wird die Ölförderung stark zurückgehen.

Unterdessen wurde bekannt, dass Außenminister Michael Spindelegger nächsten Dienstag seinen iranischen Amtskollegen Ali Akbar Salehi in Wien empfängt. Der Besuch sei mit der EU und Washington abgestimmt, hieß es aus dem Außenamt. Gegen Salehi hatte es bis Ende Mai - da legte er sein Amt als Atomchef des Iran nieder - ein Einreiseverbot in die EU gegeben.