• vom 07.07.2003, 00:00 Uhr

International

Update: 07.04.2005, 15:21 Uhr

Harter Konkurrenzkampf im österreichischen Schuhhandel

Sanierungsfall Stiefelkönig




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Von Sissi Eigruber

  • Im Schuhhandel ist ein Verdrängungswettbewerb im Gange. Nun scheint die Nummer 2 am österreichischen Markt, das Grazer Unternehmen Stiefelkönig, unter die Räder zu kommen.

Die Umsätze im Schuhhandel gehen zurück: Im Mai 2002 musste die Branche im Vergleich zum Vorjahr Einbußen von minus 2% hinnehmen, berichtet Karl Novak, Obmann des Bundesgremiums Schuhhandel der Wirtschafskammer Österreicher (WKO), gegennüber der "Wiener Zeitung". "Es ist ein Strukturwandel im Gange. Es gibt einfach zu viele Schuhgeschäfte", so Novak.

Insgesamt liege die Größe der Verkaufsflächen in Österreich um 30% bis 40% über jenen im Rest Europas. Ein Großteil davon werde vom Marktführer Leder & Schuh (Humanic, Jello, Shoe4You, Top Schuh, Dominici, Corti) und Stiefelkönig (Delka, Turbo) besetzt. Oft würden unrentable Standorte in Städten geschlossen, aber dafür andere in umliegenden Einkaufszentren eröffnet. "In guten Lagen sind die Mieten hoch, die Gehälter steigen - aber es kann nicht mehr erwirtschaftet werden und auch weitere Personalreduktionen sind kaum möglich. Daher werden Filialen geschlossen", beschreibt Novak die Situation. Oft gebe es auch Übernahmeproblem bei der Nachfolge in Familienunternehmen.


Stiefelkönig habe von der Hausbank BAWAG eine "überlebenswichtige Weiterfinanzierungsgarantie" über 82 Mill. Euro erhalten, die aber mit Ende Juli ausläuft, berichtet das Wochenmagazin "Format" in seiner jüngsten Ausgabe. Die Bank wolle ihre Forderungen in eine 75 bis 100%ige Beteiligung umwandeln. Die BAWAG/P.S.K. bestätigte am Donnerstag, dass es Verhandlungen über die Zukunft von Stiefelkönig gibt. "Es stimmt, dass uns von den Eigentümern Gespräche angeboten und Vorschläge gemacht wurden. Ob diese zu einer Lösung führen, die für uns akzeptabel ist, ist heute noch nicht absehbar", sagte BAWAG/P.S.K-Sprecher Thomas Heimhofer zur APA. Im November 2001 war der österreichische Sanierer Erhard Grossnigg bei Stiefelkönig auf den Plan getreten, um das verlustträchtige Unternehmen im Besitz der Familien Herzl und Steinlechner zu retten. Mit Alexander Herzl hat sich im vergangenen Monat das letzte Familienmitglied aus der Führungsmannschaft des Unternehmens zurückgezogen. Neuer Geschäftsführer wurde der frühere Bilderland-Chef Bernd Kriegseisen.

Die Stiefelkönig-Gruppe verzeichnete im Jahr 2002 nach früheren Angaben ein Minus von 8 Mill. Euro nach einem etwa doppelt so hohen EGT-Verlust 2001. Stiefelkönig beschäftigte zuletzt etwa 1.350 Mitarbeiter. Laut "Format" sieht der Sanierungsplan die Schließung von 15% bis 50% der etwa 190 Filialen vor.

*

Unternehmens-Geschichte

1919: Anton Herzl gründet sein erstes Geschäft in Graz.

1963: Sohn Manfred Herzl übernimmt das Unternehmen.

1966: In Kapfenberg wird das erste Geschäft außerhalb von Graz eröffnet.

1975: Eröffnung der ersten Stiefelkönig-Filiale in Wien.

1978: Übernahme von Delka.

1987: Zwei neue Vertriebslinien werden gegründet: Turbo Schuh und Palazzina.

1988: Übernahme von 20 "Oberschuh"-Filialen.

1992: Die "Rex"-Schuhhäuser kommen hinzu.

1993: Eröffnung der ersten Filiale in Slowenien.

1995: Expansion in die Slowakei (Bratislava).

1997: Die Enkel von Anton Herzl, Alexander und Valentin Herzl, treten in die Unternehmensleitung ein.

2001: Alexander Herzl übernimmt den Vorsitz im Unternehmen. Der österreichische Sanierer Erhard Grossnigg soll das verlustträchtige Unternehmen retten.

2003: Alexander Herzl zieht sich als letztes Familienmitglied aus der Führungsmannschaft des Unternehmens zurück.



Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2003-07-07 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 15:21:00

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