Kurt W. Rothschild, 1914 - 2010, auf einem Archivbild aus 1999. Foto: apa/Schlager
Kurt W. Rothschild, 1914 - 2010, auf einem Archivbild aus 1999. Foto: apa/Schlager

Von seinen Erkenntnissen werden noch viele Generationen profitieren, erwartet SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder. Mit seinen Arbeiten etwa zum Wesen der Arbeitslosigkeit und mit seiner fundierten Kritik an neoklassischen Paradigmen habe Rothschild essenzielle Beiträge zu brisanten politischen Fragen geliefert.

1914 in Wien geboren wuchs Rothschild im Roten Wien auf, erlebte die Notzeit der 30er-Jahre und konnte gerade noch ein Jus-Studium beenden, bevor er 1938 wegen seiner jüdischen Herkunft mit seiner jungen Ehefrau vor den Nazis nach Großbritannien fliehen musste.

Während seiner Exilzeit studierte der Sozialist, der sich als "Freidenker" sah, in Glasgow Nationalökonomie, lehrte als Assistent und publizierte in der Zeitschrift von John Maynard Keynes. 1947 kehrte er - mit einem Empfehlungsschreiben des liberalen Ökonomen und späteren Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek nach Österreich zurück. Man gab ihm eine Referentenstelle beim Wirtschaftsforschungsinstitut. Eine Professur bekam er nicht - in Englisch verfasste Publikationen zu Arbeitsmarkt und Lohntheorie wurden in Wien damals nicht anerkannt . . . .

"Habts mich gern . . ."

"Da dacht ich mir: Habts mich gern", erzählte er vor einem Jahr dem Wiener "Standard" - das typisch österreichische Schicksal der späten Anerkennung kümmerte ihn nicht. Erst 1966 habilitierte er sich mit seiner international bereits seit Mitte der 50er-Jahre hoch angesehenen "Theory of The Wages", wurde Gründungsrektor und Professor der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Linzer Kepler-Universität.

Er wollte die herrschende Lehre verbessern, war aber nie dogmatisch, so Wifo-Chef Karl Aiginger. In der Wirtschaftstheorie beschäftigte sich Rothschild unter anderem mit Machtausübung und Oligopolen. Zwei Aspekte seines Wirkens seien noch bedeutender als seine Einzelpublikationen: Es sei ihm wichtiger gewesen, echte Probleme zu sehen und auf sie aufmerksam zu machen, als in abstrakten Modellen an der Wirklichkeit vorbei zu theoretisieren. Wenn die Richtung von Wissenschaft oder Politik in die falsche Richtung lief - für ihn war das die hemmungslose Deregulierung -, habe er die richtigen Fragen gestellt. Rothschild war ein "Linker", weil er die Welt verbessern wollte, so Aiginger. Er habe aber immer auch gegenteilige Erkenntnisse zu seinen Positionen offengelegt.

Der frühere Wifo-Chef Karl Kramer hatte Rothschild zu seinem 90. Geburtstag als "einen der wenigen weisen Ökonomen" gerühmt, der auch zulassen könne, dass "manches ungeklärt bleiben muss. Dem Wifo blieb Rothschild für 63 Jahre treu, seine letzten Beiträge zu den bleibenden Konsequenzen der Finanzkrise erscheinen im Heft 1/2011 der "Empirica - Journal of European Economics".