• vom 12.10.2010, 17:59 Uhr

International

Update: 12.10.2010, 18:05 Uhr

Die russische Milliardärin Elena Baturina kämpft nach dem Sturz ihres Mannes um ihr Firmen-Imperium

Die Oligarchin von Kitzbühel




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Von Peter Muzik

  • Die Moskauer Baugruppe verliert ihren Förderer.
  • Die Jet-Set-Russin setzt auf Österreich.
  • In Kitzbühel wird größere Villa gesucht.
  • Moskau/Kitzbühel. Am 14. September hatte sie Dimitri Medwedew auf ihrer Firmen-Homepage noch zum Geburtstag gratuliert und ihn als "starken und weisen Politiker" bezeichnet.

Ein Bild aus schöneren Zeiten: Bürgermeister Luschkow mit Gattin (r.) 2007 auf einem Moskauer Ball. Foto: epa

Ein Bild aus schöneren Zeiten: Bürgermeister Luschkow mit Gattin (r.) 2007 auf einem Moskauer Ball. Foto: epa Ein Bild aus schöneren Zeiten: Bürgermeister Luschkow mit Gattin (r.) 2007 auf einem Moskauer Ball. Foto: epa

Exakt zwei Wochen später setzte der russische Präsident ihren Ehemann, Juri Luschkow, als Bürgermeister von Moskau ab. Jetzt muss sich Elena Baturina, 47-jährige Chefin eines russischen Firmenkonglomerats, auf turbulente Zeiten gefasst machen. Die schwergewichtige Geschäftsfrau, die vom US-Magazin "Forbes" kürzlich auf 2,9 Milliarden Dollar eingeschätzt wurde, wird sich ohne ihren Protegé wohl schwer tun, weiterhin eine marktbeherrschende Rolle zu spielen.

Als Präsidentin und 99 Prozent-Eigentümerin der Moskauer Unternehmensgruppe Inteco ist Baturina in Österreich längst keine Unbekannte: Sie besitzt hier mehrere Stiftungen und Firmen und ist seit kurzem Eigentümerin eines Fünf-Sterne-Hotels in Kitzbühel. Sie hält sich obendrein mehrmals pro Jahr an ihrem Tiroler Zweitwohnsitz auf, wo sie die dortige Polit-Prominenz und den lokalen Jet-Set gerne zu festlichen Partys bittet. Auch wenn ihr bislang dank bester Beziehungen zu russischen Machtzirkeln rasch gewachsener Konzern laut Firmensprecher Gennady Terebkov nur zehn Prozent des Geschäftsvolumens im Ausland abwickelt, könnte Österreich künftig in ihrer Lebensplanung eine zentrale Rolle spielen.


Baturina begann 1991 gemeinsam mit ihrem Bruder Viktor in Moskau Einweggeschirr und Plastikmöbel zu produzieren. Erstmals fiel sie auf, als sie den Auftrag bekam, das größte Fußballstadion der Stadt mit Schalensesseln auszurüsten. 2001 kaufte sie ein Moskauer Unternehmen, das Baumaterialien für Plattenbauten produziert, und konzentrierte sich fortan auf die Bau- und Immobilienbranche. Schlag auf Schlag ging es weiter: Sie baute ein Zement-Imperium auf, erwarb die Mehrheit an der Russischen Bodenbank und legte sich eine 50.000 Hektar große Farm im Süden Russlands zu. Dazu kam ein Gestüt in Kaliningrad, denn Pferde waren immer schon ein Hobby Baturinas, die mittlerweile Präsidentin des russischen Reitsportverbandes wurde.

Der steile Aufstieg war möglich, weil ihr um 27 Jahre älterer Mann als Moskaus Bürgermeister das Quasi-Monopol im Immobilienbereich hatte. Seine Vision war stets gewesen, 40 Prozent der Stadtfläche bis 2020 umzuwandeln und der Metropole Weltstadt-Flair zu verpassen.

Eine Spezialistin für Moskauer Protz-Bauten

Luschkow ließ rund 400 alte Gebäude, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammten, abreißen und ersetzte sie durch protzige Stahl- und Glas-Projekte. Baturinas Firmen, die Grundstücke im Ausmaß von 400 Hektar besitzen, wurden zu Profiteuren der gigantischen Vorhaben: So ist Inteco bei Luschkows Prestigeprojekt, dem Einkaufs- und Büroviertel "Moskau-City", mit von der Partie. Allein im Bereich gewerblicher Immobilien sind bis 2012 Investments von vier Milliarden Dollar geplant.

Damit nicht genug: Baturina verdankte der Stadt auch zahlreiche Wohnbau-Aufträge, sodass sie schon vor einigen Jahren gut ein Viertel des Moskauer Wohnungsneubaus kontrollierte. Dabei kam ihr die Umwidmung von billigem Naturschutzgebiet in teures Moskauer Bauland häufig gelegen und ließ zumindest eine bevorzugte Behandlung vermuten. Lukrative Aufträge ergatterte die Luschkow-Gattin auch in St. Petersburg und Sotchi, obendrein machte sie sich an Projekte in Tschechien, Marokko, Kasachstan und der Ukraine.

In Österreich ist die Oligarchin bereits seit 2004 mit einer Privatstiftung namens Saphros präsent. Zwei Jahre später kaufte sie das Fünfsterne-Hotel Grand Tirolia in Kitzbühel samt Golfklub Eichenheim und steckte rund 35 Millionen Euro in die Renovierung. 2008 erwarb sie über ihre mittlerweile liquidierte Tirus Tourismusberatung GmbH um 10 Millionen Euro ein feudales Privatanwesen in Aurach, dem Nachbarort von Kitz. Doch die Behörden legten sich quer, sodass Baturina ihren Zweitwohnsitz offiziell erst im Frühjahr 2009 in Besitz nehmen durfte.

Österreich wird zurAuslands-Zentrale

Die reiche Russin lässt in Tirol jedenfalls gerne die Rubel rollen: Sie sponsert den Triathlon Cup, das Musikfestival JazzaNova, für das Stars wie Steve Wonder und Carlos Santana eingeflogen wurden, und gefiel sich schließlich zwei Jahre lang als Gönnerin des ATP-Tennisturniers. Die Zahlungen stellte die leidenschaftliche Tennis- und Golf-Spielerin allerdings ein, weil sich einer ihrer Berater angeblich hatte schmieren lassen. Seither wartet Jürgen Pfauth, Chef der Tiroler Sportmarketing-Firma SIAG - trotz zweier Gerichtsurteile zu seinen Gunsten - auf 600.000 Euro plus Zinsen. Der OGH muss entscheiden. Ein weiterer Streit ums liebe Geld beschäftigt übrigens die Baufirma Porr Solutions, die mit Baturina ebenfalls im Clinch liegt.

Baturina, die laut ihrem Tiroler Anwalt Emilio Stock "100-prozentig intelligent, humorvoll und sehr großzügig" ist, fühlt sich im Nobelort Kitzbühel dennoch so pudelwohl, dass sie ihn mit dem prominenten Ehemann Juri mehrmals pro Jahr zu beehren pflegt, um beispielsweise das russische Weihnachtsfest oder Luchkows Geburtstag prunkvoll zu feiern. Stock: "Die beiden sind ganz liebe, normale Leut, die unsere Gegend sehr gern haben", sagt Stock. Der Spezialist für Liegenschafts- und Immobilienrecht steht der Milliardärin in geschäftlichen Dingen ebenso zur Seite wie der Wiener Anwalt Leopold Specht, der gilt als ihr engster Vertrauter in Österreich.

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Dokument erstellt am 2010-10-12 17:59:00
Letzte Änderung am 2010-10-12 18:05:00

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