Baturinas Privatstiftung Beneco, im Mai 2008 gegründet, spielt in ihrem Firmenimperium (siehe Kasten) eine zunehmend wichtiger werdende Rolle: Sie soll alle ausländischen Projekte der Moskauer Inteco-Zentrale von Österreich aus steuern und zugleich auf möglichst steuersparende Weise eine verstärkte geschäftliche Ausrichtung nach Westeuropa forcieren. Die in Kitzbühel ansässige IHM Inteco Hotel Management GesmbH etwa ist vorerst nicht nur für das "Grand Tirolia" samt 18 Loch-Golfplatz Eichenheim zuständig, sondern auch für exquisite Hotelburgen in Moskau, St. Petersburg und im tschechischen Karlsbad

Die einstige Plastikproduzentin, die immer noch ein Drittel des russischen Markts beherrscht, hat es dank des größten Baukonzerns zur reichsten Frau Russlands gebracht. Vor vier Jahren wurde ihr Vermögen vom Wirtschaftsmagazin "Finans" noch auf sieben Milliarden Dollar geschätzt. Damals kaufte Baturina unter anderem Anteile am Energie-Riesen Gazprom, der Sberbank und der Ölfirma Rosneft. 2009 wurde für sie jedoch zum Katastrophenjahr: Nachdem die Aktienkurse um gut zwei Drittel gefallen waren und ihr Vermögen massiv geschrumpft war, musste sie die Papiere von Gazprom & Co. sowie riesige Grundstücke verkaufen, um Kredite zurückzahlen zu können. Der Abverkauf soll ihr 15 Milliarden Rubel, umgerechnet 450 Millionen Dollar, gebracht haben.

Wilde Spekulationen um Baturinas Zukunft

Im Hinblick auf die damalige Schuldenlast bei Inteco war das allerdings ein Tropfen auf dem heißen Stein. Daher wurde die Bürgermeister-Gattin bei der russischen Regierung vorstellig - mit dem Ersuchen, der Staat möge Kreditgarantien im Ausmaß von 50 Milliarden Rubel (umgerechnet 1,1 Milliarden Dollar) abgeben. Immerhin sei die Inteco-Gruppe 2008 als eines der rund 300 systemrelevanten Unternehmen des Landes eingestuft worden.

Der Rausschmiss ihres Mannes - das Paar stand wegen Korruptionsvorwürfen und Günstlingswirtschaft schon längst im Kreuzfeuer der Kritik - dürfte für sie höchstwahrscheinlich zum weit größeren Problem werden: Baturina hat zwar jegliche Anschuldigungen stets vehement bestritten, doch die neue Stadtführung wird via Staatsanwaltschaft allfällige gesetzwidrige Handlungen bei den spektakulären Deals, die in der Regel von Luschkow abgesegnet wurden, aufzudecken versuchen.

Öl ins Feuer goss vorige Woche der Bruder der Bau-Zarin, der 2006 den Konzern im Streit verlassen musste: Viktor Baturin forderte die Ermittlungsbehörden via "New York Times" auf, unverzüglich "sorgfältige Prüfungen" etwaiger "krimineller Aktivitäten" der Schwester einzuleiten.

Und schon machen "wilde Spekulationen" (Anwalt Stock) die Runde, dass Baturina zumindest teilweise enteignet werden und das Ehepaar seinen Hauptwohnsitz in absehbarer Zeit notgedrungen in Berge bei Kitzbühel verlegen könnte. Kein Gerücht ist jedenfalls, dass der Ex-Bürgermeister ("Wir sind ehrenwerte Leute") in der Nobel-Gemeinde eine größere und vor allem abgeschiedener gelegene Villa kaufen möchte. Als Übergangslösung stünde in Baturinas Grand-Hotel die 300 Quadratmeter große Präsidentensuite zur Verfügung.

Zur Person: Elena Baturina

Elena Baturina wurde am 8. März 1963 geboren, absolvierte das renommierte Moskauer Managementinstitut Ordzhonikidze und startete ihre steile Karriere in der Stadtverwaltung, genauer gesagt: in der Kommission für die ersten sowjetischen Privatunternehmen. 1991 gründete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Viktor die Kooperative Inteco, die ursprünglich Plastikwaren herstellte.

Im selben Jahr heiratete sie, mit 28, ihren für die Vergabe von Lizenzen zuständigen früheren Vorgesetzten Juri Luschkow. Dieser wurde ein Jahr später Moskauer Bürgermeister und ermöglichte Baturina fortan einen kometenhaften Aufstieg. Immer wenn sie wegen ihrer guten Beziehungen ins Kreuzfeuer der Kritik geriet, verteidigte er sie mit Vehemenz: "Niemand hat ihr Ölquellen, Grundstücke oder Naturressourcen des Landes geschenkt - sie ist eben eine sehr tüchtige Geschäftsfrau."

Die russische Powerlady lebt mit ihrer Familie auf einem Landsitz mit eigenem Gestüt vor den Toren Moskaus, hält sich allerdings auch gerne in der Tiroler Bergwelt auf, wo sie ein feudales Anwesen in Kitzbühel besitzt. Baturina hat zwei Töchter (Elena, 18, und Olga, 16), ihre Schwester ist mit dem Geschäftsmann Wladimir Jewtuschenko, Chef des russischen Mischkonzerns Sistema, verheiratet.

Das Imperium

Die Firma Inteco wurde 1991 gegründet und stellte als Spezialistin für Polypropylen ursprünglich Plastikwaren her, etwa Einweggeschirr, Küchengeräte und Plastikmöbel. Firmenchefin Baturina gab sich damit nicht zufrieden und expandierte in den Baubereich. Abgesehen von großflächigen Wohnbauten konzentrierte sie sich auf die Errichtung von zumeist spektakulären Shopping Centers und Bürokomplexen.

So etwa mischte sie beim Bau des 80 Meter hohen "Trinity-Towers", des Hotel-Komplexes "New Tone Park", des "Cosmo-Parks" oder des "Fusion-Parks" samt "Autoville"-Museum mit. Ihre laufenden und geplanten Bauprojekte umfassen eine Fläche von rund sechs Millionen Quadratmeter.

Neben Plastikfabriken gehören mehrere Bau- und Immobilienfirmen, sowie die Zementwerke Atakay und Verkhnebakansky zur verschachtelten Inteco-Gruppe, weiters ein Handelsunternehmen, Architektenbüros wie das russisch-deutsche Joint Venture BRT-Rus, ein Landwirtschaftsbetrieb sowie die Russkij Zemelnyj Bank (Bodenbank), bei der Baturina als Großaktionärin im Board of Directors sitzt.

Die in Moskau ansässige Inteco-Holding ist für Strategie- und Finanzierungsaufgaben zuständig. Die operative Verantwortung haben die Tochterfirmen, beispielsweise die Alfa-Plast Ltd., die NP ProfStroi-Group oder die Patriot CJSC, die neue Grundstücke für leistbare Wohnbauten erschließt. In Österreich sind u.a. die Inteco Management AG, die IHM Inteco Hotel Management GesmbH sowie die Privatstiftungen Saphros und Beneco im Firmenbuch eingetragen.