Ende September waren deutlich weniger Jugendliche auf Lehrstellensuche als vor einem Jahr. Die Lehrstellenlücke, also die Differenz zwischen offenen Lehrstellen und Lehrstellensuchenden, ist gegenüber dem Vorjahresmonat um ein Viertel auf 2389 fehlende Stellen zurückgegangen, wie AMS-Zahlen zeigen.

Jugendliche, die in der freien Wirtschaft keine Lehrstelle finden, können eine geförderte Ausbildung in einer Lehrwerkstätte absolvieren. In einem "richtigen" Unternehmen sei man zwar näher an der Praxis, dafür gebe es auch mehr Leerläufe, sagt Reinhard Weidinger, Geschäftsführer der Lehrwerkstätte Weidinger & Partner.

Hoteliersvereinigung: "Lehrinhalte veraltet"

Die heimischen Betriebe hätten nach krisenbedingten Rückgängen im Vorjahr heuer um 1,5 Prozent mehr Lehrlinge im ersten Lehrjahr gemeldet, teilte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl mit.

Kritik kommt von der Opposition und den Gewerkschaften: "Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze steigt zwar leicht, doch im mehrjährigen Trend wird deutlich, dass immer weniger Unternehmen Lehrplätze anbieten", sagt Birgit Schatz, Arbeitnehmersprecherin der Grünen. Im langfristigen Vergleich ist die Zahl der Lehrlinge von 194.000 im Jahr 1980 auf 131.676 Ende 2009 gesunken.

Die Gewerkschaft Pro-Ge Jugend fordert, dass die Betriebe ihre Lehrlinge an den höheren Lehrlingsförderungen beteiligen, die die Betriebe erhalten, wenn die Lehrlinge die Zwischenprüfung zur Lehrmitte und die Lehrabschlussprüfung erfolgreich abgelegt haben. Das sei nicht immer der Fall. Rene Pfister, Vorsitzender der GPA-djp-Jugend, kritisiert, dass auch unter 18-jährige Lehrlinge teilweise Überstunden leisten müssten, obwohl dies verboten ist.

Zwar gibt es 239 Lehrberufe, aber der Großteil der Jugendlichen entscheidet sich noch immer für einige wenige Berufe - bei Mädchen sind dies Verkäuferin, Friseurin oder Bürokauffrau, bei Burschen Automechaniker, Installateur oder Elektroinstallateur.

Tourismusbetriebe suchen hingegen dringend nach Arbeitskräften. Der meistgesuchte Beruf Österreichs war im ersten Halbjahr 2010 mit deutlichem Abstand der Kellner, auf Platz vier folgt der Koch.

Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) kritisiert aber, dass die Ausbildungsinhalte für die Fachkräfte von morgen heillos veraltet seien. "Wenn wir die Jugend in unseren Betrieben wollen, müssen wir ihnen zeitgemäße Berufsbilder bieten", sagt ÖHV-Vizepräsident Alexander Ipp. Im Lehrplan des Hotel- und Gastgewerbeassistenten nähmen Faxgeräte zum Beispiel mehr Platz ein als Online-Buchung und Hotelbewertungsplattformen zusammen.

Auf Bewerbersuche in Facebook und Youtube

Um Jugendliche für eine Lehre in ihrem Unternehmen zu begeistern, setzen Betriebe auf ihre Lehrlinge als Botschafter. "Anders als früher, als Nachwuchs vor allem über Schulen rekrutiert wurde, setzen wir heute verstärkt auf Social Media wie Facebook, Twitter und Youtube", sagt Alexandra Eichinger, Lehrlingsbeauftragte von Ikea Österreich. Lehrlinge der Möbelhaus-Kette versuchen sich dabei als Regisseure, Drehbuchautoren und Kameraleute und informieren Gleichaltrige via Internet darüber, was sie in einer Lehre bei Ikea erwartet. Gesucht werden 50 neue Lehrlinge für sechs Berufsfelder.

Die Drogeriekette dm, die österreichweit hunderte Lehrlinge sucht, hat ihr Lehrlingscasting abgeschafft und bewirbt sich nun als Ausbildner bei den Lehrlingen - mit einem neuen Auftritt unter dem Motto "Mich kriegt nicht jeder". "Der Casting-Gedanke mit allem, was damit assoziiert wird, war für uns nicht mehr zeitgemäß", sagt Petra Mathi von der dm-Geschäftsleitung. Daher wurde der Bewerbungsprozess hin zu Gebietsmanagern und Filialen verlagert: Nach der Bewerbung werden die Jugendlichen zu einem Kennenlerngespräch mit den Eltern direkt in die Filiale oder ins Studio eingeladen.

Beim Handelskonzern Rewe International starten heuer 700 Lehrlinge ihre Ausbildung - 100 mehr als 2009. Heuer wird die Ausbildung zum "Reisebüroassisten" sowie zum "Medienfachmann/frau - Mediendesign" neu eingeführt. Damit bietet der Konzern insgesamt 14 Lehrberufe an.