• vom 07.10.1999, 00:00 Uhr

International

Update: 07.04.2005, 17:13 Uhr

Nach ersten US-Anklagen in der Geldwäscheaffäre:

Russland fürchtet um Kredite




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  • Nach ersten Anklagen wegen der Geldwäscheaffäre in der Bank of New York hat sich Russland besorgt über mögliche Verzögerungen bei westlichen Finanzhilfen gezeigt.

Der Beauftragte für die Beziehungen zu den führenden westlichen Industrienationen (G-7), Alexander Liwschiz, forderte am Mittwoch eine klare Trennung zwischen den Ermittlungen und den


Kreditgesprächen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat in der Geldwäscheaffäre am Vortag Anklage gegen zwei amerikanische Bankmanager und einen russichen Geschäftmann sowie die Firmen Benex, Becks International und

Torfinex erhoben. Dabei geht es um Überweisungen in der Höhe von bis zu 7 Mrd. Dollar (90 Mrd. Schilling). Über Konten in der Bank of New York sollen nach Medienberichten insgesamt 10 bis 15 Mrd.

Dollar aus Russland gewaschen worden sein. Der Westen hat nach Bekanntwerden des Skandals zusätzliche Garantien Russlands zum Schutz vor Veruntreuung von Kreditgeldern gefordert. Eine für September

erwartete IWF-Kreditrate in Höhe von 640 Mill. Dollar wurde bisher nicht freigegeben.

Nach Presseberichten stehen auch mindestens zwölf derzeitige oder ehemalige russische Regierungsvertreter unter Verdacht. Dazu gehören die Tochter von Präsident Boris Jelzin, Tatjana Datschenko, der

ehemalige Finanzminister Anatoli Tschubais sowie Liwschiz selbst.

Die russische Zentralbank soll entgegen bisherigen Aussagen rund 4,8 Mrd. Dollar an Krediten des IWF "verschwinden haben lassen", berichtete inzwischen die italienische Tageszeitung "La

Repubblica" unter Berufung auf einen 400 Seiten starken Bericht des russischen Rechnungshofes. Die Zeitung spricht von einem "gigantischen Betrug, der ohne Beispiel in unser heutigen

Geschichte ist". "Dieses Geld ist niemals in Moskau angekommen", heißt es weiter. Es sei in einer größeren Operation zunächst auf die private New Yorker National Republican Bank und später auf

weitere Privatbanken umgeleitet worden. Dies stehe in klarem Gegensatz zu bisherigen Aussagen von IWF-Chef Michael Camdessus. Jelzin habe den Ermittlungen des Rechnungshofes zufolge ein Dekret

unterzeichnet, wonach das gesamte Geld zur Erhöhung der Devisenreserven der Zentralbank verwendet werden sollte. Etwa vier Wochen danach sei der russische Rubel zusammengebrochen.



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Dokument erstellt am 1999-10-07 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-07 17:13:00


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