Heumilchkühe fressen kein Gärfutter, sondern Gras und getrocknetes Heu. Foto: fotolia
Heumilchkühe fressen kein Gärfutter, sondern Gras und getrocknetes Heu. Foto: fotolia

Was letztendlich in den bunten Verpackungen mit dem AMA-Heumilch-Gütesiegel steckt, ist vielen Konsumenten aber nicht klar. Heumilch ist nichts anderes als die traditionelle Form der Milcherzeugung: Die Bauern verzichten auf Gras- oder Maissilage, also durch Milchsäuregärung im Silo konserviertes Grünfutter.

"Heumilchbauern galten früher als Hinterwäldler"

Die Tiere werden im Sommer mit Gras und Kräutern sowie im Winter mit getrocknetem Heu sowie Getreideschrot gefüttert. Außerdem verpflichten sich die Landwirte zur umweltgerechten Bewirtschaftung von Acker- und Grünlandflächen laut dem EU-Agrar-Umweltprogramm (Öpul). Heumilch bedeutet jedoch nicht gleichzeitig Bio - das muss extra auf der Packung ausgewiesen werden.

Die Zahl der Heumilchbauern ist in den vergangenen Jahrzehnten rapide gesunken: Produzierten 1970 noch 80 Prozent der heimischen Landwirte ohne Silofutter, sind es aktuell nur mehr 15 Prozent. Die 8000 Heumilchbauern liefern jährlich rund 400.000 Tonnen Milch. EU-weit sind nur rund zwei Prozent der Landwirte Heumilchbauern. Eigens vermarktet wird die Milchsorte nur in Österreich.

"Noch vor einigen Jahren waren Heumilchbauern als Hinterwäldler verschrieen, heute können sie aber wieder erhobenen Hauptes durch den Ort gehen", sagt Arge Heumilch-Obmann Karl Neuhofer, der selbst seit 25 Jahren Bio-Heumilchbauer ist. "Wir wollen nicht mit Mitleid, sondern mit Mehrwert verkaufen."

Merken Verbraucher aber einen Unterschied im Geschmack zwischen Heu- und Silomilch? Die Aromastoffe des "Wellnessheus" mit vielen Kräutern und Blumen gingen in die Milch über, sagt Neuhofer.

"Geübte Gaumen erschmecken Unterschiede, das sind aber nur Nuancen", sagt hingegen Birgit Rossmann von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Die gesamte österreichische Milch habe einen hohen Qualitätsstandard, Heumilch sei eine besondere Qualitätsstufe. Geschmacksfehler, die über Fehlgärungen in die Milch übergehen, sollten aber auch bei Silomilch nicht vorkommen.

Besonders gut eignet sich Heumilch zur Verarbeitung von Hartkäse, weil keine Zusatz- oder Konservierungsstoffe beigefügt werden müssen. Silofreie Milch enthält laut Studien sehr wenige Clostridiensporen, die eine Buttersäuregärung verursachen. Diese können zu fehlerhafter Lochung, Rissen und Geschmacksfehlern im Käse führen.

Außerdem enthält Heumilch laut Studien mehr Omega 3-Fettsäuren als Silomilch. "Es ist aber fraglich, ob das bei dem geringen Fettgehalt überhaupt ins Gewicht fällt", gibt Ernährungswissenschafterin Birgit Beck vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) zu bedenken.

Preisdruck im Handel wegen großer Mengen

Der Mehraufwand für die Bauern wird je nach Region mit einem Heumilchzuschlag von zwei bis sieben Cent je Kilo Milch abgegolten. Als Werbebeitrag gehen 0,2 Cent je Kilo an die Arge Heumilch, die über ein Werbebudget von drei Millionen Euro pro Jahr verfügt. Davon kommen 600.000 Euro von den Bauern, der Rest wird von Vermarktern, der AMA sowie von EU, Bund und Ländern beigesteuert.

Die Kampagne wirbt in Fernseh-Spots mit dem Slogan "die reinste Milch". Diese Werbebotschaft stößt den Mitbewerbern jedoch sauer auf: "Wir verwehren uns gegen die Behauptung, dass nur Heumilch die reinste Milch ist. Sie suggeriert, dass die anderen Milchsorten nicht rein sind", sagt Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der NÖM-MGN Milchgenossenschaft.

Die Arge Heumilch will Silobauern "nicht zu nahe treten", sagt Neubauer. "Unser Ziel ist auch, dass österreichische Silobauern im Sog unserer Kampagne gegen europäische Konkurrenten bestehen können."

Die Konsumenten nehmen das Heumilch-Angebot "super" an, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Auch Konkurrent Rewe forciert seit etwas mehr als einem Jahr Produkte mit dem AMA-Heumilch-Gütesiegel.

Die Preise von Heumilch-Produkten im Einzelhandel liegen bisher aber oft gleichauf mit Silomilch. "Es ist nicht möglich, die große Menge auf Anhieb im Hochpreissegment zu vermarkten", erklärt Neuhofer. Um sich preislich höher zu positionieren, müsse die Nachfrage angekurbelt werden.

Im Visier haben die Bauern dabei neben Österreich vor allem Deutschland, wo die österreichische Milch einen guten Ruf genießt. Daher soll 2011 wie schon heuer eine Heumilch-Alm durch große Städte touren, um für die "reinste Milch" zu werben.