Wien. Die Sonnenstrahlen und Regentropfen der vergangenen Wochen und Monate haben den heimischen Gemüsebauern offenbar gut getan. Denn trotz des Rückgangs der Anbauflächen sollen heuer in Summe 588.000 Tonnen Feld- und Gartenfrüchte geerntet werden, schätzt die Statistik Austria. Im Vergleich zu 2010 ist das ein Plus von vier Prozent und ein Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Besonders zulegen wird laut den Statistikern heuer der Spinat. Da die Anbaufläche massiv ausgeweitet wurde und hohe Erträge erwartet werden, könnte sich eine Erntemenge von 16.900 Tonnen ergeben, was beinahe einer Verdoppelung gegenüber 2010 entspricht. Verantwortlich für diese Entwicklung ist die belgische Ardo-Gruppe, die die ehemalige Iglo-Tiefkühlfabrik im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf betreibt. Da die Region rund um das Werk über gute Böden, die sich zudem leicht bewässern lassen, verfügt, forciert Ardo den Spinat-Anbau, erklärte ein Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Niederösterreich.

Die hohen Erntemengen sind für die Bauern aber nicht unbedingt ein Segen. Beim Salat gehen etwa die Preise aufgrund von Überproduktion und dem Importdruck aus Italien zurück, so die Information der Landwirtschaftskammer Wien. Bei den Gurken ist die Situation ähnlich, wobei hier der EHEC-Skandal als Ursache genannt wird. Die Konsumenten würden noch immer zögern, das Gemüse zu kaufen. Bei den Paradeisern, die auch von der EHEC-Krise betroffen waren, sei die Lage aber etwas besser. Hier hätten sich die Preise wieder stabilisiert.

Lebensmittel-Herkunft soll angegeben werden

In Summe, meinte Österreichs größter Gemüsevermarkter LGV kürzlich, werden die Preise wegen des hohen Angebots heuer im Durchschnitt um rund fünf Prozent zurückgehen. Angesichts der trüben Preisaussichten "schauen die Bauern, dass sie mit einem blauen Auge durchkommen", meint ein Mitarbeiter der Wiener Kammer. Aber trotz dieser Aussichten geben sich die Bauern zuversichtlich und vertrauen auf den Konsum-Patriotismus der Österreicher.

Im Supermarkt würden die Kunden nämlich bevorzugt heimische Ware kaufen, meint der Wiener-Kammer-Experte. In der Gastronomie sei die Sache aber anders: Hier würde man rein nach dem Preis gehen und daher auch Produkte aus dem Ausland kaufen. Aus diesem Grund arbeitet die Landwirtschaftskammer daran, eine Auszeichnungspflicht in den Wirtshäusern durchzubringen. Gefordert wird diese übrigens nicht nur von den Gemüse-, sondern auch von den Fleisch- und Eiererzeugern.

Die Gastronomie greife zum Teil "mit Vergnügen" zu Käfig-Eiern", meinte Benjamin Guggenberger, Chef der Erzeugergemeinschaft Frischei vor Kurzem. Der Anteil der österreichischen Eier in der Gastronomie sei von 70 Prozent auf 30 bis 40 Prozent abgesackt. Anhand der Speisekarte sollten die Kunden entscheiden können, ob sie "ein slowakisches Käfig-Ei oder ein österreichisches Ei aus Bodenhaltung" haben wollen. Im Handel seien zum Vergleich keine Käfig-Eier mehr erhältlich.