Wien. (wak) In den nächsten vier Jahren wird sich die österreichische Wirtschaft auf einem "soliden Wachstumskurs" befinden. Das heißt: Solange nichts Unvorhergesehenes passiert, erklärt sinngemäß das Institut für Höhere Studien (IHS) bei der Präsentation seiner mittelfristigen Prognose (2011 bis 2015).

Ein Schock wie die Pleite der Lehman Brothers 2008 wird dementsprechend nicht eingerechnet. Die Krise der Eurozone wird als bewältigbar angenommen. "Wenn es in einem Land einen Default (Pleite, Anm.) gibt, werden wir das auch überleben", erklärt IHS-Leiter Bernhard Felderer. "Durch nur den reinen Default passiert nichts. Doch wenn danach die große Unsicherheit auf den Märkten folgt, möchte ich die Auswirkungen nicht abschätzen oder quantifizieren", ergänzt der IHS-Ökonom Helmut Hofer.

Entgegen der herrschenden Stimmung in Deutschland (pro Default) schließt sich das IHS jener Meinung an, die laut Felderer unter Ökonomen außerhalb Deutschlands vorherrscht: "Wir glauben, es ist besser, Griechenland die Schulden zu erstrecken." Es sei zudem möglich, dass Athen seine Verbindlichkeiten in den nächsten 15 Jahren zurückzahlen könnte. Von dem Argument, dass diese Rettungsmaßnahmen zu teuer seien für die anderen Euro-Staaten, die nun auch zu straucheln anfangen könnten, hält Felderer nichts. "Kosten wird es auf jeden Fall viel", mit oder ohne Pleite.

Und selbst wenn man Griechenland sich selbst überlassen würde: "Stellen Sie sich vor, Sie sehen den ersten griechischen Hungertoten in der Kronen Zeitung", so Felderer. Die Europäer könnten da nicht tatenlos zusehen und müssten - zu einem hohen Preis - einsteigen.

Überschüsse realistisch

Österreich wird in den Jahren bis 2015 durchschnittlich um etwa 2,2 Prozent real wachsen. Ein guter Zeitpunkt, um die österreichischen Staatsschulden zu begrenzen. "Wir könnten in einer so lange gutgehenden Periode sogar Überschüsse erzielen", so Felderer. Das IHS rechnet damit, dass Österreich im Jahr 2015 auf ein Budgetdefizit von 1,6 Prozent herunterkommen könnte (heuer: voraussichtlich 3,1 Prozent, 2010 lag das Defizit bei 4,6 Prozent).

Die Beschäftigungsnachfrage dürfte im Prognosezeitraum um durchschnittlich 0,9 Prozent zulegen, wobei sich diese Dynamik gegen 2015 verlangsamt - aus demografischen Gründen: Es treten weniger Junge in den Arbeitsmarkt ein. Da das Arbeitsangebot im selben Ausmaß wie die Beschäftigungsnachfrage ausgeweitet wird, verbleibt die Arbeitslosenquote bis 2015 bei 6,3 Prozent nach nationaler Definition bzw. bei 4,2 Prozent nach EU-Berechnung.