München/Stuttgart/Ingolstadt. BMW fährt den Rivalen von Daimler und Audi mit Vollgas davon. Auch im zweiten Quartal des Jahres verbuchte der Münchner Autobauer Rekorde bei Umsatz, Gewinn und Absatz. "Das erste Halbjahr war das bisher beste in der Unternehmensgeschichte", sagte Konzernchef Norbert Reithofer am Dienstag bei der Vorlage der Zahlen in München. Dank der ungebrochenen Nachfrage nach teuren und großen Autos verdiente BMW zwischen April und Juni unter dem Strich rund 1,8 Milliarden Euro - mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr.

Im ersten Halbjahr summiert sich der Gewinn auf mehr als 3 Milliarden Euro - 2010 waren es erst 1,16 Milliarden. "Wir sind auf einem guten Weg, auch 2011 der weltweit führende Premiumhersteller zu bleiben", sagte Reithofer. Das hohe Tempo der ersten Jahreshälfte werde sich in den kommenden Monaten allerdings nicht halten lassen - auch wegen anstehender Modellwechsel.

Vor allem aber die Schuldenkrise in den USA und Europa und die schwächer werdenden Zuwachsraten im Boommarkt China lassen Reithofer vorsichtig auf die Euphoriebremse treten. "Die globalen Risiken für einen weiteren Aufschwung nehmen tendenziell eher zu als ab", sagte der Vorstandschef.

"Die Fabriken sind zu 102 Prozent ausgelastet"

Derzeit aber kommt BMW mit der Produktion kaum nach. Die Auslastung der Fabriken betrage 102 Prozent, so Reithofer. "Unsere Werke laufen derzeit voll am Anschlag." Die Kunden bekommen das bei den deutlich verlängerten Lieferzeiten zu spüren. "Aus unserer Sicht zu lange Lieferzeiten." Allerdings sei BMW ein Premiumhersteller - "und Premiumhersteller sollten immer ein Auto weniger produzieren als sie verkaufen können". Um im Sommer trotz Urlaub die Produktion zu sichern, werde BMW verstärkt auf Leiharbeit setzen - auch im größten BMW-Motorenwerk im oberösterreichischen Steyr, wo man den Produktionsrekord des Vorjahres sicher erneut übertreffen wird, setzt man auf Leiharbeiter und streicht die Werksferien.

Daran, dass trotz aller Vorsicht BMW auch das Gesamtjahr 2011 mit Rekorden abschließen wird, hat der Konzernchef aber keine Zweifel. Insgesamt will er 1,6 Millionen Autos verkaufen, um gut 100.000 mehr als zuvor prognostiziert. Auch bei Umsatz und Gewinn werden Bestmarken erwartet.

Wie Daimler und Audi - die ebenfalls auf Gewinn-Rekordkurs unterwegs sind - kommt BMW besonders das kräftig Wachstum in Asien und dort vor allem in China zugute. Doch Reithofer will in allen Regionen zumindest annähernd ein Gleichgewicht herstellen, um so gegen Einbrüche auf einzelnen Märkten gewappnet zu sein. In den ersten sechs Monaten wuchs der Absatz der Münchner in fast allen Ländern - meist stärker als der Gesamtmarkt. Selbst im krisengebeutelten Japan legten die Münchner um 4 Prozent zu, während der dortige Markt nach Tsunami-Katastrophe und Atom-Alptraum um 30 Prozent nachgab.