Zürich. (ede/ag) Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will die seit Monaten anhaltende Überbewertung des Schweizer Frankens nicht mehr tatenlos hinnehmen. Wie die SNB gestern bekanntgab, will sie ihren Leitzins, den Dreimonats-Libor, so nahe wie möglich bei null anlehnen. Den Libor steuert die SNB nicht direkt, sondern über ein Zielband, das sie nochmals verengt und das nun neu zwischen 0 und 0,25 Prozent statt 0 bis 0,75 Prozent liegen wird. Damit wird Geld, das sich die Banken bei der SNB ausleihen, nochmals günstiger. Es ist der erste Dreh an der Zinsschraube seit März 2009.

Neben dem Angebot von günstigem Geld will die SNB mit sofortiger Wirkung auslaufende Schuldverschreibungen nicht mehr erneuern oder zurückkaufen. Dadurch sollen ebenfalls mehr Franken auf den Markt geworfen werden. Die SNB beabsichtigt so, den Girobestand der Banken von derzeit 30 Milliarden auf 80 Milliarden Franken (72,4 Milliarden Euro) auszudehnen. In den ersten Reaktionen ging das Kalkül der Notenbank auf, und der Franken gab am Devisenmarkt nach. Der Euro, die wichtigste Partnerwährung für die exportabhängige Schweizer Industrie, zog nach der Zinsentscheidung kräftig auf Kurse um 1,11 Franken an. In der Früh war er auf ein Rekordtief knapp unter 1,08 Franken abgesackt. Der Weg ist aber noch weit: Ende 2010 mussten für den Euro 1,25 Franken bezahlt werden, vor zwei Jahren lag das Euro-Franken-Verhältnis noch bei etwa 1,52.

Japans Wirtschaft sorgt sich um starken Yen

Unterdessen bereitet den Japanern der starke Yen Sorgen. Nachdem sich die japanische Währung im Verhältnis zum US-Dollar in der Nacht zum Dienstag einem neuen Rekordstand genähert hatte, tat Finanzminister Yoshihiko Noda kund, eine Intervention am Devisenmarkt vorzubereiten. Der Yen werde zu hoch bewertet, sagte er.

Viele Experten sehen die Yen-Stärke vor allem in der Dollar-Schwäche angesichts der andauernden US-Schuldenkrise begründet. Nichtsdestotrotz fürchtet die exportorientierte Nation Einbußen durch die Stärke ihrer Währung.